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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 317

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 317 (sequence 333)
Language
German
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation. 317 Der biblische Standpunkt. Wenn, wie allgemein anerkannt, für die sogenannte „Rassengesehichte" der Juden vor allem die Bibel zu befragen ist, so müssen wir doch deren Zeugnis hören. Es lautet wie folgt: 1. Die Menschheit stammt von einem Paare ab. Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen. Keine Menschengruppe hat somit vor einer anderen einen anthropologischen Vorzug. Jeder Mensch trägt als solcher von Adam her den Adel der Gottesebenbildlichkeit. 2. Die Trennung in Nationen erfolgte auf Grund der Sprachen Scheidung als Strafe für den Turmbau zu Babel. (Gen. 1, 9.)i) 3. Das jüdische Volk stammt von einem amoritischen Vater und einer chetitischen Mutter ab. (Ezech. 3, 16, 45.) 4. Abraham, der Urvater Israels, gründet ein Volkstum auf der Basis der Religion. (Gen. 18,19). Das Entree in diesen Bund bildet die Beschneidung (das. 17, n). Ein Beweis, daß ,,Rassenadel" und „Reinheit des Blutes" dem jüdischen Altertum unbekannte Begriffe waren. Die Einführung des Proselytentums entzog jedem Rassendünkel von vornherein den Boden. Die Mischehe ist aus religiösen, wenn man will religionsnationalen Gründen verpönt. Sie bedeutet die Verbindung mit einem Anders gläubigen, nicht Anders rassigen. (Vgl. Esra 9,14.) Nicht Aufnahme fremden Blutes, sondern Annahme fremden Wesens, das somit als vom Blute unabhängig angesehen wurde, lehnte man ab. 5. Psalm 87 scheint betonen zu wollen, daß im Gegensatz zu anderen Völkern in Israel die Zuständigkeit nicht von dem Zufall der Geburt, somit von einem geographischen Umstände abhängig gemacht wird. Die religiöse Zugehörigkeit ersetzt die „blutmäßigeu, das heißt — im Sinne der modernen Nationalisten — nationale bei anderen Völkern. 6. Die ethnographische Nomenklatur der Bibel deutet nicht auf Rassenunterscheidung hin. „Am" ist das Volk seiner Abstammung, „goj" seiner ethnischen Eigenart nach, „1W ist 1) Zach. 14, 9 verheißt, daß ein Gott verehrt werden und sein Name einer sein, d. h. nur eine Sprache herrschen wird. Somit werden Religions- sowie nationale Kriege ein Ende finden.

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