Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 331)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Basse, Volk, Nation. 315 Augen sind nicht charakteristisch. Als physiologisches Rassenmerkmal will Auerbach die weibliche Frühreife gelten lassen, von pathologischen vor allem den grünen Star und die Seltenheit des Gebärmutterkrebses. Alles andere ist durchaus schwankend und nicht als Rassenmerkmal anzusprechen. Der Tatbestand. Nicht eine jüdische Rasse, sondern jüdische Ty p|e n. Läßt man alle diese einander oft diametral entgegenstehenden Ausführungen Revue passieren, so wird man zunächst als das Bleibende im Wechsel feststellen dürfen die Unhaltbarkeit der Annahme einer Rassenkonstanz. Im Lichte des Entwicklungsbegriffes muß eine solche These als unsinnig erscheinen. Was wir Rasse nennen, ist nichts anderes, als eine Summe äußerer Merkmale, die in einer Menschengruppe hervortreten, die, sei es unter dem Zwange äußerer Umstände oder freiwillig gewählter Exklusivität, unter sich Inzucht treibt. Von einer strikten Reinhaltung der Rasse kann auch hiebei nicht die Rede sein. In diesem Sinne wird man von einer jüdischen Rasse reden dürfen, wenn man irgend eine paritätische Volksschule besucht und die jüdischen Schüler von den anderen auf den ersten Blick unterscheiden zu können glaubt. Wenn einem aber selbst unter Geschwistern die verschiedensten Typen begegnen, so wird auch hier nicht von einem Prototyp gesprochen werden können, und Irrtümer werden oft genug unterlaufen. Dieselbe Erfahrung macht jeder Militär- und Versicherungsarzt usw. Anderseits fiel, wenn man in irgend einem jüdischen Flüchtlingsasyl die Kinder betrachtete, als fremdartige Erscheinung sofort ein Mongolenkopf und dergleichen auf. Man mußte an Kosakenüberfälle, Pogroms usw. denken. Man braucht nun nicht erst andere jüdische Milieus aufzusuchen, um andere gemeinsame Merkmale wahrzunehmen. Dieselben Individuen werden vielmehr, unter andere äußere Daseinsbedingungen versetzt, bis zur Unkenntlichkeit ihren Typus verändern. Nichts ist variabler als der anthropologische Habitus inner-