Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 330)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Grrunwald, Kasse, Volk, Nation. Momente, so darf es immerhin sich als Volk bezeichnen, da dieser Begriff variiert wird als Staatsvolk, Sprachvolk oder Blutsvolk und wenigstens diese dritte Kategorie hierauf zutrifft. In dieser Lage befinden sich nach Zollschan die Juden der Diaspora. Daß sie einst im eigenen Staat eine Nation gebildet haben und wieder in Palästina eine Nation werden wollen, gibt ihnen kein Anrecht, im Galuth sich als Nation zu gerieren und damit ein neues Martyrium heraufzubeschwören. Zollschan anerkennt, daß die Juden eine Gemeinschaft sui generis sind. Ursprünglich ein Religionsvolk, können sie einen übernationalen Charakter nicht verleugnen. Unter Nationalismus ist somit nicht, wie sonst unter diesem Wort, beim Juden ein Streben nach materiellen Werten, sondern nach allgemein menschlichen Idealen zu verstehen. Jedenfalls bildet, bis auf einen Bruchteil, heute nicht mehr die Religion das einigende Volksband. Alle, die von dem Willen zur Erhaltung des Judentums beseelt sind, sollen in der Erkenntnis der Stammesgemeinschaft sich zusammenschließen in dem Bekenntnis zu Zion, als der einzigen jüdischen Zukunftsmöglichkeit, womit, wie Zollschan betont, keineswegs eine jüdische nationale Galuthpolitik identisch ist. Auerbach. Diese Zusammenstellung ließe sich noch erheblich vermehren. In einer Übersicht über den gegenwärtigen Stand der Rassenkunde definiert E. Auerbach („Der Jude", 5. Jahrgang, 149 ff.) Rasse als historisch gewordene Fortpflanzungsgemeinschaft, die sich durch typische Schichtung körperlicher und geistiger Merkmale von anderen unterscheiden läßt. Nation ist historisch gewordene Kulturgemeinschaft, Volk historisch gewordene Sprach- und Staatsgemeinschaft. Von einer Rasse im erwähnten Sinne kann nur bei Japanern und Juden die Rede sein, bei letzteren erst seit zwei Jahrtausenden. Der Schädelindex zeigt nicht einen Typus, sondern eine einheitliche Schichtung von Typen, wobei die jemenitischen, nordafrikanischen, mesopotamischen, kaukasischen und grusinischen Juden, als vorwiegend nichtjüdischen Ursprungs, wie die Karäler u.a., auszuschalten sind. Körperbau sowie Farbe der Haare und