Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 324)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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308 Grunwald, Rasse, Volk, Nation. Züchter die Entwicklung gewisser, ihm nützlicher Eigenschaften eines Tieres und durch Überwachung der Fortpflanzung ihre Vererbung fördert. Bei den wilden Tieren ist eine solche Züchtung nicht vorhanden. Es fehlt an einem bewußten Streben, irgendeine Tierart einem außerhalb seiner Naturbestimmung liegenden Zwecke entgegenzuzüchten. Wäre eine solche planvolle Absicht vorhanden, so würde ihre Ausführung an der Unkontrollierbarkeit ihrer Fortpflanzung scheitern. Tatsächlich haben sich die jetzt bekannten Unterarten der wilden Tiere seit Menschengedenken nicht geändert. Bei ihnen kommen nicht, wie bei den Haustieren, die individuellen Vorfahren, der Stammbaum, in Betracht. Man unterscheidet bei ihnen nur geographische Rassen, einen Berber- und einen Perserlöwen, einen indischen und afrikanischen Elefanten. Das „Milieu" bewirkt sie. Der Mensch schafft sich einerseits bis zu einem gewissen Grade künstlich sein Milieu, und seine Freizügigkeit erleichtert Mischungen der verschiedenen Milieuprodukte. Anderseits wird die bei Haustieren durchführbare Inzucht bei menschlichen Rassen, die oft mit sozialen Gegensätzen, Kasten, identisch sind, durch sexuelle Untreue problematisch, sie führt nicht selten anstatt zur Veredlung, zur Degenerierung. Noch hat die wissenschaftliche Anthropologie kein Kriterium für eine Menschenrasse festgestellt. Weder die Schädelform noch die Sprache oder sonst ein Merkmal kann dafür gelten. Im übrigen ist, nach Luschan, es heute nicht wichtiger zu wissen, wieviel menschliche Rassen es gibt, als herauszufinden, wieviel Engel auf einer Nadelspitze tanzen können. Die Rassen sind durchaus variabel, sie alle gehen auf einen gemeinsamen Ursprung zurück, ihr Kulturwert hängt von den Umständen ab. Der Rassenunterschied wird zum Beispiel, wie Ed. Mayer hervorhebt, im Orient gar nicht empfunden. Zu scharfen Gegensätzen prägt er sich nur aus, wo Kulturen derzeit soweit voneinander abstehen, wie zwischen dem Anglogermanen und dem Neger, oder dort, wo er die demagogische Ausnützung aller Vorurteile erleichtert, wie im Antisemitismus. Die Juden werden als Rasse bekämpft. Sind sie es in Wirklichkeit? Als Merkmal der jüdischen Rasse gilt vor allem die