Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 323)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Rasse, Volk, Nation1). Von Max Grünwald. Drei Worte, über deren Sinn unendlich viel und heftig gestritten wird, Worte von allergrößter Bedeutung, insbesondere für uns Juden. An ihnen orientiert sich die neueste Geschichtsauffassung. Der Politik der letzten hundert Jahre dienten sie wiederholt als Schlagworte. Um so überraschender ist die Unklarheit und Verwirrung in Fragen dieser Elementarbegriffe. Ein Blick auf einige einschlägige literarische Neuerscheinungen liefert hiervon ein anschauliches Bild und legt der jüdischen Öffentlichkeit die Pflicht auf, unablässig über diese drei Begriffe Aufklärung zu verbreiten, deren Unklarheit eine Fehlerquelle von unabsehbaren Folgen bildet. Die neueste Literatur. K a u t s k y. Kauts ky („Rasse und Judentum") nimmt, von der Lektüre Fishbergs angeregt, als Soziologe zu den Rassentheorien Stellung. Für den Rassentheoretiker ist die Rasse das moderne Fatum. Was ein Mensch ist und was er tut, ist und leistet er mit Naturnotwendigkeit. Diese Eigenart ist ihm unabänderlich angeboren, sie vererbt er seinen Nachkommen. Die Bezeichnung Rasse trifft, genau genommen, nur auf Haustiere zu. Man spricht von einer Rinder-, einer Hühnerrasse usw. Sie wird künstlich dadurch erzielt, daß der Tier- 1) In der Hauptsache Abdruck einer in der Wiener „Wahrheit" 1922 erschienenen Artikelfolge. 20*