Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 319)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2796-2640170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mieses, Die Dämonisierung fremder Feiertage. 303 R. Abraham äben Esra berichtet, daß die Verehrer des Planeten Saturn sieh schwarz kleiden, viel fasten und in der Zeit seines Erscheinens fasten1). Die Zeit des Saturnerscheinens, damit ist gewiß der Saturntag, der Sabbat, gemeint. Bachja der jüngere, ein jüdischer Mystiker des ausgehenden Mittelalters, war sich des Gegensatzes des jüdischen Vergnügungs-Sabbats gegen den heidnisch imprägnierten, astrologischen tristen Saturntag bewußt. Die Astrologie sei „eine große Ursache für die Krankheiten der Seele, die Weisheit der Thora ist hierzu Verband und Heilmittel. Die Wissenschaft der Astrologie verbot am Sabbat den Fleischgenuß und ordnete an, wenig zu essen, und wir dagegen erhielten den Befehl, am Sabbat uns zu vergnügen, Fleisch zu essen, Wein zu trinken ... Diese Wissenschaft untersagte den Geschlechtsverkehr (am Sabbat), bei uns findet der hauptsächliche Geschlechtsverkehr nur am Sabbat statt2)." Dasselbe findet sich als Zitat aus einem Buche Jediath ha-kokhabim im Jalkut Reubeni, Perikope Jithro. In manchen Ländern galt bei den Juden des Mittelalters ein Teil des Sabbattages als Trauerzeit. Die französischen Juden, die sich hierfür auf einen Gaon des jüdischen Babylonien beriefen, begingen die letzten Stunden des Sabbats in Trauer und Schweigen wegen des Todes von Mose. Im Kolbo, das dem 14. Jahrh. angehört und in Frankreich das Tageslicht erblickt hat, heißt es: ,,Es ist Sitte an vielen Orten, am Sabbat zwischen dem Mincha- und dem Macariwgebet mit keinen Studien sich zu befassen zur Ehre Moses, der um diese Zeit gestorben;... es ist Brauch an vielen Orten, die Abendmahlzeit am Sabbat vor dem Minchagebet zu essen. Nach dem Minchagebet wird nicht gegessen, sondern jeder setzt sich hin und schweigt zur Ehre des Herrn der Propheten." Dasselbe weiß auch R. Jizchak Or Sarua aus einem Buche des R. Tham zu zitieren, auch kennt diesen Ritus R. Abraham b. Samuel aus Lunel (Manhig § 64). Ein bereits nachmittelalterlicher jüdischer Mystiker Moses 1) Abraham aben Esra, Vorrede zu seinem Leviticus-Kommentar. 2) Bachja, Deuteronomium I, Perikope Schophtim.