Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 318)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Mieses, Die Damonisierung fremder Feiertage. Jahre 813 erwähnt: es sollen in den Fastenwochen Mittwoch, Freitag und Sabbat als Fasttage gehalten werden1). Die irische Kirche kannte nie das Sabbatfasten. Die griechisch-orientalische Kirche, die viel mehr hellenistisch-jüdische Tradition bewahrte als die Kirche Roms, nahm am römischen Sabbatfasten Anstoß. Photius, der Patriarch Konstantinopels, warf bei seinem Schismastreit mit dem römischen Papst im Jahre 866 der Kirche des Okzidents das Sabbatfasten vor2) Das heidnische Erbe der Sabbatferialisierung, die im Sabbatfasten sich kundtat, verfiel gegen Ausgang des 1. christlichen Jahrtausends auch in Rom selbst, vielleicht unter der Einwirkung ökumenischer Opposition. Es fehlte aber dann auch nicht im eluniacensisch reformierten Rom an Versuchen, das Sabbatfasten wieder zu beleben, so seitens Gregors VII. im Jahre 1078 im corpus juris canonici c. 31 dist. 5 de consecratione3). Unabhängig von der römischen Fastentradition führte das christliche Volk des Abendlandes in offenbarer Gegnerschaft gegen das Judentum auf eigene Faust eine Damonisierung des den Juden geheiligten Sabbats durch. Es entstand das Wortkompositum „Hexensabbat", das von einer Verbindung von Zauberinnen, dem Teufel, dem Blocksberg mit dem heiligen Kulttage der jüdischen Religion spricht, in der Anschauung weiter Kreise der abendländischen Christenheit. IV. Daß in solchen Verhältnissen, wo die römische Kirche und das christliche Volk den Sabbat dämonisierten bzw. zum Fasttag stempelten, das Judentum des Mittelalters in Europa sich hie und da in seinen Anschauungen betreffs des Sabbats beeinflussen ließ, ebenso wie es im Zweistromlande oder in der heidnischen Tiberstadt der Fall war, ist begreiflich. Die Astrologie mit ihrer antiken Erbschaft scheint hier eine ernste Vermittlerrolle gespielt zu haben. 1) Knöpfler, Lehrbuch der Kirchengeschichte 308. 2) ib. 311. 3) cf. RE.f.pr.Th. V, 771.