Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 315)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mieses, Die Dämonisierung fremder Feiertage. 299 Sabbatfastens. Rabbi Jose ben Simri lehrt, wer am Sabbat fastet, veranlaßt, daß ungünstige Entscheidungen des Himmels, die ihn betreffen, annuliert werden1). Rabbi Jachanan ben Sakkai hielt das Veranstalten von Eßgelagen am Freitag wie am Sabbat für eine Sünde2). Es wurde sogar in älterer rabbiniseher Zeit, wenn der 9. Ab auf einen Sabbat fiel, gefastet3). Die heidnische Astrologie vermochte auf ihrem Eroberungszug innerhalb mancher Judengruppen der späteren Antike, bei so manchem Rabbinen die Vorstellung des antithetischen Polytheismus vom ungünstigen Charakter des Sabbattages durchzusetzen. Im Talmud lesen wir in einem astrologischen Text: „Wer am Sabbat geboren wurde, dessen Gedanken schlagen fehl, er wird am Sabbat sterben"4). Im Zusammenhang mit dieser astrologischen Auffassung schlichen sich gewiß einzelne dämonisierende Anschauungen in bezug auf den Sabbat ins altrabbinische Schrifttum ein. An einer Talmudstelle, wo viel folkloristisches Material angesammelt erscheint, gelten die Sabbatwie Mittwochnächte als Spukzeit, es schweift in ihnen die Dämonin Agrath mit achtzehntausend Engeln der Verderbnis herum und schädigt, wen sie trifft5). Mit mrDttf fyb sind an dieser Stelle als die Nächte von Freitag auf Sonnabend und nicht die Sabbatausgang-Nächte von Sonnabend auf Sonntag gemeint, denn in diesem Falle müßte es mrQff •»NSSID lauten. Dem gegenüber lehrten die fremden Vorstellungen entgegenwirkenden Rabbinen, die verdammten Seelen (die ja oft mit den schädigenden Dämonen im Volksglauben der verschiedensten Länder identifiziert wurden) haben am Sabbat Ruhe in der Hölle. Sie werden zur Erde geschleudert und ihre Qual beginnt erst, wenn das Gebet des Sabbatausganges zu Ende ist6). 1) Beracboth 31b. Die Späteren bezogen diese Stelle auf das Traumfasten (Rokeaeh § 213), was im Mittelalter so manchem Ritualkenner wunderlich vorkam (Sehibole Haleket § 278). 2) Gittin 38*>. 3) Thaanith 12*>, vgl. Erubin 41». 4) Sabbat 156». 5) Pesachim III* ff. 6) Tanehuma Exodus tfttn "O, Pesiktha Rabb. mtö3H 'a NpOD n-nmn.