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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 298

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 298 (sequence 314)
Language
German
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298 Mieses, Die Dämonisierung fremder Feiertage. Das offizielle, führende Judentum der römischen Kaiserzeit lehnte in seinen religiösen Texten alle Ferialisierung des Sabbats ab. Sowohl Pseudepigraphen1) wie Talmud betonen den Sabbat als Tag des angenehmen Genießens2). Sehammai, so oft er ein Stück Vieh fand, bestimmte es für den Sabbat3). Rabbi Jehuda Hanassi rühmte die Juden des (hellenistischen) Auslands, daß sie den Sabbat ehren4). R. Chanina hatte besondere, schöne Kleider für den Sabbat5). Den Sabbat als „Freude" betont der Midrasch6). Ein regulärer kalendarischer Fasttag, der auf den Sabbat fällt, wird nach talmudischer Vorschrift, mit Ausnahme des Versöhnungstages, immer verschoben. Bei den Falaschas, diesem verknöcherten Überrest des ehemaligen hellenistischen Judentums in äthiopischer Vermummung, geht das Fastenverbot am Sabbat so weit, daß, wenn auf den Sabbat der Versöhnungstag fällt, etwas genossen werden muß7). Kultische Arbeiten, wie Beschneidung, Osteropfer (nD£ rüt^n fiK nnn) gestatten die Rabbinen am Sabbat. Von manchen Rabbinen wurde der Sabbat geradezu als günstiger Tag proklamiert. Der in der Sabbatnacht fallende Regen sei besonders segensreich und ein Zeichen göttlicher Gnade8). Doch war der Einfluß des politisch und zivilisatorisch mit dem ganzen Apparat griechischer Geistesschätze ausgestatteten Polytheismus so stark, daß in gewissen Fällen vereinzelte Hebräer nachgaben und die bei Römern und Griechen üblichen, der Entwicklungslinie des Judaismus zuwiderlaufenden Anschauungen annahmen. Die Hinneigung zur heidnischen Ferialisierung des Sabbats von jüdischer Seite, die einst in babylonischer Gefangenschaft eine Strafrede Jesaias hervorgerufen, feierte auch in der späteren Antike ihre Wiederkehr. Es finden sich im altrabbinischen Schrifttum vereinzelte Äußerungen über ein besonderes religiöses Verdienst des 1) Jub. 2, 31; 50, 10. 2) Sabb. 118a; Pesachim 68*. 3) Beza 16*. 4) Gen. Rabba LXXXI. 5) Jer. Baba Mezia II, 11. 6) Exodus Rabba XIX. 7) Faitlovich, Abbessynien 86. 8) Siphre Deuteronomium II, Cap. XXXII; Levit. Rabba XXXV.

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