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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 297

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 297 (sequence 313)
Language
German
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Mieses, Die Damonisierung fremder Feiertage. 297 II. Ein zweiter dämonisierender, ferialisierender Angriff auf den Sabbat der Juden, von dem die Quellen zu berichten wissen, erfolgte zu Beginn der römischen Kaiserzeit. Auch jetzt trafen die Polytheisten mit großen exilierten Massen fremd völkischer Monotheisten zusammen und es ergab sich auch in diesem Falle dasselbe Bild. Die Römer sahen den Sabbat als den Tag Saturns an, beurteilten ihn als Tag, an dem ein ungünstiges Gestirn waltet. Ovidius erklärte auch daher den Sabbat als Ferialtag1). Ähnlich sagt auch Censorius über den Geburtstag des Sternes Saturn: „Dieser ist für die Erde unfruchtbar, für die geboren Werdenden ungesund"2). Auf einer Inschrift aus dem Jahre 364 n. Chr. im Lateranmuseum wird „dies Saturni" als Unglückstag, als Todestag eines .Knaben, angegeben3). Für die Juden war der Sabbat der siebente Tag, der höchste der Zahlenreihe nach. Die Polytheisten der späteren Antike, die in ihrer Astrologie die jüdisch-christliche Woche nachbildeten, fingen in ihrer Planetenwoche die Reihe mit dem Saturntag, dem Sabbat, an4), um ihn auf diese Weise zum niedrigsten zu stempeln. Erst nach dem Siege des Christentums wurde im Abendlande der Sabbat, der Saturntag, als der letzte Wochentag festgesetzt5). Wenn der feriale Saturntag von irgendwelcher Glaubensgemeinschaft besonders begangen ward, so kann dies nur als Fasttag sein; dies lag auf der Hand in diesem antiken Gedankenkreis antimonotheistischen Gepräges. Im römischen Reiche taucht nun bei verschiedenen heidnischen Autoren die Auffassung auf, der Sabbat sei ein Fasttag der Juden. Pompeius Trogus6), Augustus7), Strabo8) glaubten, die Juden enthielten sich am Sabbat des Essens. 1) Ovidius, Remedium amoris V. 218. 2) Censorius, De die natali Saturni stellae: infecunda terris, nascentibus non salutaris. 3) De Rossi, Inscr. I, Nr. 172; Schultze, Der Untergang des Heidentums II, 377. 4) Ginzel, 1. c. 98. 5) RE.f.pr.Th. XXI, 413. 6) Pompeius Trogus, Hist. .Phil. XXXVI, 2. 7) Suetonius, Divus Augustus c. 76. 8) Strabo, Geogr. XVI, 40.

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