Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 312)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Mieses, Die Dämonisierung fremder Feiertage. im Assyrischen feiern, fertig sein bedeutet, zusammenhängt1), um so mehr, als sappatu überhaupt keinen Ferialcharakter hier besitzt. Sollte tatsächlich der hebräische Sabbat einen gemeinsamen Ausgangspunkt mit dem assyrischen sappatu gehabt haben, dann dürfte es sich um historische Ursprünge handeln, die mit dem ferialen Kontradiktions-Siebnertag der assyrischen Spätzeit nichts gemeinsam haben. Ob ein Ruhetag bei den Hebräern vor Mose aus einer Vollmondfeier, die in Mond viertelf eier dann überging, hervorgegangen ist7 gehört nicht zum Kapitel der Dämonisierung. Über das Thema der assyrischen Beziehungen zum alttestamentlichen Sabbat wurde in den Jahrzehnten um die Wende des 19. Jahrhs. in Fachkreisen und auch außerhalb derselben viel debattiert2). Jedoch der ganze Streit befand sich auf falscher Fährte. Es fiel niemandem ein, daß bei dem im Hemerologium nur gelegentlich erwähnten Ferialtag es sich um eine dämonisierende Entstellung des Sabbats handeln mag. Als die judäische Welle nach dem Chaldäerreich gelangte, traf sie dort bereits die in der Bibliothek Assurbanipals vermerkte Anschauung vom ferialen Charakter des Sabbats. In manchen, dem Polytheismus der Babylonier zuneigenden assimilierten Judäern dürfte sich der Wunsch geregt haben, den Sabbat als Ferialtag zu begehen, ihn in einen Büß- und Fasttag von düsterem Charakter umzukehren. Dagegen stemmte sich jene grandiose Prophetie des babylonischen Exils, jener unerschrockene Kampf für den reinen Monotheismus, der sich an den Namen des großen Jesaias knüpft. Wir lesen im 58. Abschnitt des Jesaiabuches einen scharfen Protest gegen das äußere Fasten ohne innere Umkehr und im Zusammenhang damit: „Wenn du des Sabbats wegen deinen Fuß zurückhältst, deine Geschäfte an meinem heiligen Tage nicht erledigst und den Sabbat ein Vergnügen nennst, dann wirst du an Gott dich ergötzen und lasse ich dich auf die Höhen der Erde steigen und sättige dich mit der Erbschaft deines Ahnen Jacob". 1) Fbibdbich Delitzsch, Assyrisches Wörterbuch 684. 2) Ginzel, 1. c; F. Bohn, Der Sabbat im AT., Gütersloh 1903; Nowack, Lehrbuch der hebräischen Chronologie II, 144, 189; Meinhold, Sabbat und Sonntag 6.