Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 310)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2787-2640161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 Mieses, Die Dämonisieruog fremder Feiertage. Heiden ganz nach demselben Programm, sie nannten in rabbinischerZeit die heidnischen Feiertage TK, nicht sowohl wegen der römischen Iden, als wegen der Auffassung der heidnischen Festtage als Unglücksabschnitte. Die heidnischen Dekadenfeiertage dürften die Hebräer ebenso noch in altbiblischer Zeit dämonisiert haben. Darüber ein anderes Mal. Auch die Juden mußten eine Dämonisierung so mancher ihrer Feiertage durch die fremdreligiöse Umwelt sich gefallen lassen, die um so schärfere Formen annahm, als die Juden ständig in einem konträren Milieu lebten und das Antithetische divergierender Religionswesen auf jedem Schritt seine Spitze fühlbar machte. In einem bestimmten Einzelfalle gelangte die Umkehrung eines jüdischen Festtages in einen Ferialtag, einen Fasttag zu großer religionsgeschichtlicher Bedeutung. Die mir bekannten Religionshistoriker merkten davon aber nichts. Die Details, die in ihre Zettelkasten gerieten, wurden von ihnen in einen falschen Zusammenhang gebracht. Die Ferialisierung des jüdischen Sabbats bildet einen kuriosen Abschnitt der Religionsgeschichte, der die Aufmerksamkeit von Religionsforschern verdient und in ihrem Querschnitt durch die Jahrtausende für die Gesetzmäßigkeit der Normen der menschlichen Geistesgeschichte auch in ihren Verirrungen Bände spricht. Der dämonisierte Sabbat. I. Das erste Volk, das eine größere Gruppe von Israeliten in seine Mitte aufnahm und notwendigerweise auf die Institutionen derselben, und das in antithetischem Sinne, reagieren mußte, war seit den letzten Jahrzehnten des 8. vorchr. Jahrh.'s. Assyrien. In der Bibliothek Assurbanipals, jenes Monarchen des Zweistromlandes, dessen Regierungszeit um ein gutes Jahrhundert nach der Verbannung Nordisraels jenseits des Euphrats fiel, findet sich in einem Hemerologium für Schaltelul, wie auch für Arahsammu (Marcheschvan), daß am 7., 14., 19., 21., 28. folgende Vorschriften einzuhalten sind: Es ist ein böser