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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 293

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 293 (sequence 309)
Language
German
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Mieses, Die Dämonisierung fremder Feiertage. 293 Die Manichäer in ihrer Gegnerschaft gegen die Religion Christi erklärten den Tag der Auferstehung des gekreuzigten Heilands, den Sonntag, den Tag der Freude für zahlreiche Millionen, als Fasttag1). Die Christen des Mittelalters machten aus jenem Feiertage, der der Bona Dea geweiht war2), an dem die Laralia gefeiert wurden, jene sacra popularia, die ohne besondere Beteiligung der Priester familienweise und in allen Hausständen begangen wurden, — aus dem 1. Mai die Walpurgisnacht, während der die Hexen an verschiedenen, ursprünglich heidnischen Opferstätten auf dem Blocksberg im Harz und sonst ihre Tänze aufführen3). Erst die dem praktischen Heidentum zuneigende neueste Zeit rehabilitierte den 1. Mai. Eine ähnliche antithetische, ins Konträre umkehrende Haltung nahmen auch die Christen ursprünglich gegen das römische Neujahrsfest ein. An den Neujahrskai enden hielten die alten Christen Bußprozessionen ab. Der paganischen ausgelassenen Fröhlichkeit wurde ihr Pol entgegengestellt. Der 17. Kanon des Konzils von Tours aus dem Jahre 567 verbot formell das feierliche Begehen des cäsarianischen Jahres, ebenso untersagte es Cäsarius von Arles4). Die englischen Puritaner taten auch etwas Analoges im Verhältnis zur katholischen Kirche. Sie versuchten das fröhlichste Fest jener Christenheit, der nach den Anschauungen der Reformatoren Albions der Antichrist vorstand, ins Entgegengesetzte umzukehren. Das lange Parlament beschloß im Jahre 1644, daß der 25. Dezember als Fasttag begangen werden soll, alle Menschen haben an diesem Tage der Trauer sich hinzugeben ob der Sünden, die ihre Väter an diesem Tage verübt5). Allerdings wurde dieser religionsgeschichtlich begründete Versuch von keinem Erfolg gekrönt, da ja der Puritanismus nach Cromwell viel an seiner Schärfe einbüßte. Die Juden benahmen sich in bezug auf die Feiertage der 1) RE. f. pr. Th. XII, 312. 2) Peeller, Rom. Myth. 351. 3) Arnold Zehme, Germanische Götter- und Heldensage. 4) Ginzel, Handbuch der Chronologie III, 157. 5) Th. B. Macatilay, History of England (Tauehoitz) 1,160.

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