Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 308)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Dämonisierung fremder Feiertage. Von Matthias Mieses. In den verschiedensten Religionssystemen läßt sich beobachten, daß die Götter fremder Völker in Dämonen umgewandelt werden. Dies ist eine Tatsache, auf die ich in einer Studie, die wir vor einigen Jahren in den Mitteilungen zur jüdische Volkskunde (22. Jahrgang, 1. Heft) veröffentlichten, aufmerksam machte. In geradliniger Konsequenz dieser Tatsache mußten auch die diesen fremden, als böse Gewalten angesehenen Göttern gewidmeten Feiertage anderer Glaubensgemeinschaften der eigenen Glaubensgruppe dank der kontradiktionellen Orientierung als Unglückstage, als feriale Feste, als von Dämonen patronisierte Zeitpunkte dünken. Aus einem richtigen Grundsatz müssen sich, wie geometrisch, auch alle weiteren Folgerungen mit zwingender Stichhaltigkeit ergeben. Die wahre, ernste, synthetische, konstruktive Wissenschaft ist nicht jene, die klassifikatorisch, katalogisierend viele Tatsachen aufzählt und anhäuft und den Außenstehenden blufft, sondern jene Forschung, die nach Prinzipien pirscht und Thesen aufstellt, aus denen eine Unzahl von Einzelfällen abgeleitet wird, die von der Wirklichkeit eine nachträgliche empirische Bestätigung erfahren. Die Dämonisierung fremder Feiertage läßt sich bei diversen Glaubensgemeinschaften tatsächlich unserer Deduktion entsprechend feststellen. Die Mandäer begehen die jüdischen Ostern als Trauertage aus Rücksicht auf die ertrunkenen Ägypter1). 1) Brandt, Mandäische Religion 164.