Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 297)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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282 P ap o , Die sexuelle Ethik im Qorän. schwur zugrunde. Der Talmud kennt dies nur als Theorie. Der praktische Wert des Gottesurteiles ist nach dem Berichte des Talmuds schon lange vor der Zerstörung des zweiten Tempels geschwunden und zwar fügen die Talmudisten die für die sexuelle Ethik des Talmuds sicher bedeutungsvolle Begründung hinzu, das Eiferwasser habe nur solange gewirkt, als die Männer der Unzucht fernstanden; zu der Zeit, da dies nicht mehr der Fall war, und diese Zeit kann nicht früh genug angesetzt werden, habe das Gottesurteil keine Wirkung gezeigt: |DD ppo npUD BhKn }\s intaw na p(m d^dh pj?D npua www ^intPK nN ppTD D^DH „Solange der Mann frei von Sünde ist, solange entscheidet das Eiferwasser über seine Frau; wenn nicht, dann hat es keine Wirkung." Nun aber haben die Rabbinen, als sie sahen, daß mit dem Fluchschwur nichts anzufangen sei, da das Gottesurteil ausblieb, die ganze Sache abgestellt, was nach dem Berichte der Mischnah durch R. Joch. b. Sakkai geschah: D^frUDH "DlttfD 2)]p*>DSn l>*OT p pm^ D^DH DNSmpDS „Da sich die Zahl der Ehebrecher mehrte, hat man das Eiferwasser abgestellt und zwar hat dies R. Joch. b. Sakkai getan." Während nun die Rabbinen den Fluchschwur ohne Gottesentscheidung für gegenstandslos hielten, ihn daher abschafften und die Verordnung trafen, ein Mann der seine Frau des Ehebruchs verdächtigt, solle sich auf jeden Fall von ihr scheiden3), hat Mohammed mehr an der biblische Bestimmung festgehalten, indem er das Eiferwasser samt dem Gottesurteile beiseite ließ und den Rest des Bibelgesetzes, den Fluchschwur, noch dazu in ziemlich veränderter Form, in seine Lehre aufnahm4). Dies ist somit hier eine ziemlich komplizierte Anlehnung Mohammeds an ein jüdisches Gesetz, die Geiger übersehen haben dürfte. Mohammed scheint auch spät dazu gelangt zu sein, da er nach Weil5) lange auswich, bis er zu dieser Lösung kam. Diplomatisch ist diese wohl mit vollem 1) Sota 28». 2) Sota IX, 4. 3) ibid. VI, 1. 4) Die Fünfzahl als höchstmögliche bei einem Schwüre kennt zwar auch der Talmud (Schebuoth IV, 3), doch in ganz anderem Zusammenhange und in ganz anderer Tendenz. 5) Weil, 1. c. Anm. 417.