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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 276

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 276 (sequence 291)
Language
German
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276 P ap o, Die sexuelle Ethik im Qorän. Ein weiterer Beleg für das mangelnde Verständnis Mohammeds für ideale Keuschheit ist die Tatsache, daß er keinen seigenen Terminus für diesen Begriff hat. Der Ausdruck u^Jua5>! ^Lp*^, also kann in gleicher Weise von einer in normaler Ehe lebenden Frau gebraucht werden; als Beweis £ dafür mag gelten, daß Baidhäwi es für nötig findet, zu u>JUis>S L^js die Erklärung „Vom Erlaubten und vom Unerlaubten" hinzuzusetzen, wodurch erst Keuschheit im gegenwärtig behandeltem Sinn bezeichnet wird. Sexuelle Enthaltsamkeit beim männlichen Geschlecht hat Mohammed wohl aus zeitgenössischen Beispielen selbst gekannt. Hat er doch den größten Teil seiner Kenntnisse des Christentums von einem abessinischen Mönch, den Sprenger2) als Presbyter bezeichnet, und als cölibatär hinstellt, empfangen. Er kennt also das Asketentum wohl. Ob die Bezeichnung 'J3 3)jyas> als Terminus für das Zölibat gelten kann, ist nicht gewiß. Verstehen und dalier auch billigen will Mohammed auch beim Manne lebenslängliche Keuschheit keinesfalls, sondern er ist bestrebt, sie als ein ohne göttlichen Willen in das Christentum eingeschobenes Moment hinzustellen: 4)l$^\Äjt suiLP^ „Das Mönchstum erfanden sie selbst." Aus dem bisher Gesagten geht hervor, daß der Koran sich hinsichtlich des Keuschheitsideals mehr der biblischen Auffassung, als der des Evangeliums zuneigt; letztere ist, wie ich ausgeführt habe, nur als notwendige Grundlage des Christentums, ohne jedes Verständnis für den Gedanken der sexuellen Ethik, den das Christentum mit dieser Gestalt verbindet, in den Koran mit aufgenommen. IX. Bekämpfung der Unzucht. Wie ich bereits oben gezeigt habe, ist im Koran eine genaue Abgrenzung zwischen Ehe und Unzucht nicht leicht gezogen, 1) S. XXI, 91. 2) Sprenger, Mohammed und der Qorän, S. 55. 3) S. III, 34. 4) S. LVII, 27.

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