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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 273

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 273 (sequence 288)
Language
German
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P a p o, Die sexuelle Ethik im Qorän. 273 Hinsicht deutlich die Spuren des Übergangsstadiums. Bei den Arabern war der Mann seiner Macht über die Frau lange noch nicht in der Art verlustig gegangen, wie etwa bei den durch Griechen- und Römertum beeinflußten Juden. Auf Mohammed hat demnach die Idealgestalt Josephs sicher einen tiefen Eindruck gemacht; dies beweist nicht nur der Umstand, daß er c die Erzählung als 1)^Joj^ä1\ Q.^5>t bezeichnet, sondern auch die Tatsache, daß er sich im großen und ganzen gut über diese Historie informiert hat. Lassen sich doch auch tatsächlich alle an einen Mann gestellten Forderungen der koranischen Sexualethik an Joseph finden. Für das christliche Keuschheitsideal hatte Mohammed wenig Verständnis. — Dies darf jedoch nicht Wunder nehmen, wenn wir im Gegenteil sehen, daß eine Römerin, die sicherlich dem Christentum nicht ferngestanden ist, das Keuschheitsideal in der Gestalt Josephs nicht zu fassen vermag und ungläubig den R. Jose fragt: JDt? p tpV» IttfSK 2)nrn wn ntanj? woin fen toij? me/p „ist es denn überhaupt möglich, daß Joseph, 17 Jahre alt, in der Fülle seines jugendlichen Feuers so etwas über sich bringen konnte?" Jene Frau konnte ebeiiL das biblische Ideal der Keuschheit ebensowenig begreifen, wie Mohammed das christliche. Dennoch hat er es in seine Lehre aufgenommen, einerseits, weil er ja, wenn er das Christentum irgendwie verwerten wollte, doch nicht seine Fundamente umstoßen konnte, andrerseits, vermute ich, lag ihm viel daran, die göttliche Sendung Jesu nachzuweisen, in dem er ja einen Vorgänger seiner eigenen Person sah. Aber gerade in dem Bestreben, Maria den Charakter der Gotterwähltheit zu verleihen, tat er in vollstem Unverständnis des Symbols den Mißgriff, sie zu einer übertrieben keuschen muslimischen Frau zu machen, die sich sogar vor ihren Angehörigen verschleiert3). Er kam aber dabei in eine nicht geringe Verlegenheit aus der er sich auch nicht mehr herauswinden konnte. Denn einerseits war ihm eine unbefleckte Empfängnis etwas Undenkbares. Andrerseits wollte er eine Empfängnis durch die Gottheit selbst nicht gelten lassen, da es ja mit seinen Begriffen von 1) S. XII, 3. 2) Gen rabba LXXXVII. 3) S. XIX, 17. Gmnwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. II. 18

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