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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 271

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 271 (sequence 286)
Language
German
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qoräo. 271 Stärke, war er doch jung, unerfahren, ein Sklave, ein verzärteltes Muttersöhnchen, bringt die gewaltige ethische Kraft auf, einem verführerischen Weibe standhaften Widerstand zu leisten. Schon daran zeigt sich, was die Bibel hierin fordert. Der Mann ist es, der die Stütze der Moral bilden soll. Er darf nicht nur nicht nach dem Weibe verlangen, sondern er muß sogar das Verlangen des Weibes, wenn es ungebührlich ist, zurückweisen; mit dieser Darstellung stimmt auch der Fluch über das Weib nach dem Sündenfalle Kim yipwn "pSTO* btf\ x)*p bwW überein. Freilich konnte bei einer so gestellten Forderung die Bibel nicht bei jenem Keuschheitsideale landen, welches das Christentum aufgestellt hat. Dieses konnte freilich, da es ein enthaltsames Weib als Ideal aufgestellt hatte, lebenslängliche Keuschheit fordern und dies in Verbindung mit der Lehre der unbefleckten Empfängnis, daß nämlich das Weib, welches den Gedanken an sündhafte, irdische Liebe aufgegeben hat, keinesfalls ihre Bedeutung als Frau verloren habe, sondern eben darum durch die Gottheit gewürdigt worden sei, auch ohne Sünde zur Empfängnis, also zu ihrer natürlichen Bestimmung als Mutter zu gelangen. Bei einer männlichen, in sexueller Hinsicht idealen Gestalt ist ein derartiger Zusatz nicht möglich; der Mann, der nicht zeugt, geht mit seinem Tode für die Welt unter. Es ist daher klar, daß die Bibel nicht die lebenslängliche Enthaltsamkeit in die Person Josephs hineinlegt, sondern nur das Fernhalten von dem Verbotenen; dennoch glaube ich hierin ein wenig weitergehen zu können, indem ich annehmen will, daß Joseph, wie wir ihn aus der Bibel kennen, sich auch von Verführung durch andere Weiber ferngehalten hätte, wo er nicht die Rechte eines Gatten hätte verletzen müssen. Demnach glaube ich als Keuschheitsideal der Bibel die oben als erste Definitionsmöglichkeit hingestellte Bezeichnung: sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe ansetzen zu dürfen. Doch haben sich die Zeiten und damit die Sitten bald geändert, Der Mann hat seine Führung auf dem Gebiete der sexuellen Ethik bald verloren. Er sollte nach der Bibel über das Weib herrschen, sie von Unzucht fernhalten2). Dazu war es aber 1) Genes. III, 16. 2) Cf. Levit. XIX, 29.

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