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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 270

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 270 (sequence 285)
Language
German
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270 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. er mit ihm zum Propheten, fand ihn und dieser Vers war bereits geoffenbart." Vielleicht mögen auch midraschische Quellen Mohammed bei diesem Verse beeinflußt haben. Die Worte: DNfiS MV2b iOH ^nrn JTO^ *\mb "pS ]W „Wer sein Haus unangemeldet betritt, geschweige denn das seines Nächsten (den haßt Gott)", sind zwar dem Tanna Simon b. Jochai in den Mund gelegt, doch möchte ich annehmen, daß gerade in der Zeit Mohammeds, die mit der Sammlung des aggadischen Midrasch zusammenfällt, die Sitte vor dem Eintritt ins Haus anzuklopfen im Orient entstanden ist, und im Midrasch nur zur Erhöhung der Autorität der erwähnte Ausspruch einem Tanna zugeschrieben ist2). Keuschheit in der an fünfter Stelle gesetzten Bedeutung gilt nach unsern heutigen Begriffen als ideale Keuschheit. Auf Mohammed wirkte dieses Moment von christlicher Seite her ein. Um aber des Propheten Verhältnis zu ihm darzulegen, wird es zunächst notwendig sein, Mohammeds Ideal der Keuschheit zu konstruieren, und hierzu alle ihm diesbezüglich vor Augen schwebenden Gestalten zu erörtern. Ist ihm von christlicher Seite Maria hingestellt worden, so hat er doch keineswegs von jüdischer Seite einer Idealgestalt dieser Keuschheit entbehren müssen. In der Person Josephs stellt die Bibel ein mustergültiges Beispiel der Keuschheit auf. Mohammed hat nun beide Gestalten übernommen, wiewohl zwischen beiden Keuschheitsgedanken ein tiefer Abgrund klafft. Die Bibel stellt die Keuschheit in der Gestalt eines Mannes dar. Dieser Mann, sonst weltfremd, unbedeutend und von geringer physischer 1) Lev. rabba XXI, 8. 2) Der in der Bibel [HL V, 2] sich findende Ausdruck pö*n kann hier nicht in Betracht kommen, da es sich dort um die Nachtzeit handelt, zu der ja das Haus verschlossen ist-, übrigens ist die Ubersetzung von pCH in Verbindung mit hlp weit besser mit „drängen" als mit „klopfen" oder ,pochen" angemessen, cf. die Bedeutung von pDl in Genes. XXXIII, 13. — Esther klopft nicht einmal beim Könige an, sondern muß sich, um ihr Kommen anzukündigen, gleich selbst zeigen (Esther V, 1). Auch in der Mischnah wird der Brauch des Anklopfens nicht erwähnt; sogar beim Anstandsorte wurde, zum Zeichen, daß er unbesetzt sei, die Türe offen gelassen (Tamid I, 1), was ja nicht notwendig gewesen wäre, wenn man die Sitte des Anklopfens gekannt hätte.

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