Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 276)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 261 lieh wurden im ersten wie auch im vierten Kapitel die koranischen, wie auch die biblischen Vorschriften bereits behandelt und wird das noch zu Erwähnende im nächsten Kapitel bei Besprechung der Unzucht erörtert werden. Auch hinsichtlich des 3. Punktes gilt nach Mohammeds Ansicht Keuschheit fast nur für die Frau. Daß der Mann auf das Weib sexuellen Reiz ausüben könne, daran scheint Mohammed wenig zu denken, oder aber — und meines Erachtens ist diese Annahme richtiger — er betrachtet es als selbstverständlich, daß der Mann immer und unter allen Umständen das Weib sexuell reize, so daß Anordnungen in dieser Beziehung, so weit sie überhaupt durchführbar sein mochten, nicht viel gefruchtet hätten. Er beschränkt sich daher darauf, nur das eine Moment, durch das der sexuelle Reiz auf das Weib erhöht wird, den Männern zu untersagen, nämlich dasselbe mit lüsternen, gierigen Blicken zu betrachten; in diesem Sinne ist das ^l*2jb {jaä in XXIV, 30 aufzufassen. Eine weitere Vorschrift für die Männer hinsichtlich dieser Art der Keuschheit findet sich im Koran nicht. Die Bibel kennt keinerlei Satzungen, die den Mann vom Sexualreiz auf das Weib abhalten soll. Der Talmud rühmt zwar zwei bedeutende Gelehrte, die in der „Straße der Huren" arbeiteten, zu denen die Huren kamen, um bei ihnen arbeiten zu lassen, und die trotzdem ihre derartigen Kunden nicht anschauen wollten1), doch ist hier selbstverständlich das Niederschlagen des Blickes nur darum geschehen, um nicht sexuell gereizt zu werden, nicht aber, um selbst einen Reiz auszuüben. Was nun Mohammed den Männern hierin zu wenig auferlegt hat, das ist, um ein gewaltiges Quantum vervielfacht, den Weibern als zuviel aufgebürdet worden, allerdings nicht, wie bereits betont, als gänzlich neue Einführung Mohammeds, doch immerhin von ihm erweitert und verschärft. Mohammed konnte sich in diesen Vorschriften soweit beschränken, daß er den Frauen nur das gleiche Gebot wie den Männern, ihre Blicke niederzuschlagen, erteilt hat2), und zwar darum, weil er tatsächlich nichts übrig gelassen hat, wodurch die Frau überhaupt einen Eindruck auf einen Mann machen konnte, als eben 1) Peßachim 113*. 2) S. XXIV, 31.