Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 275)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. hammeds? Die nach Sprenger1) hinsichtlich des genannten Kaabakultes auf das Drängen des christlich denkenden Harith, der eine baldige Abschaffung desselben begehrte, ausweichende Antwort Mohammeds in S. VII, 26, wonach ein mit dem „Kleide der Gottesfurcht" Bekleideter auch in nacktem Zustand der Sünde fernsteht, kann tatsächlich nur die Absicht zum Ausdruck bringen, daß hier Mohammed sich mit keinem der zwei Postulanten verfeinden wollte, nicht aber als eine Entscheidung des Propheten gelten, die für seine Lehre maßgebend sein soll. Diese Entscheidungen nunmehr unter Anführung der biblischtalmudischen Parallelen zusammenzustellen, wird unsere Aufgabe sein, und ich will gemäß der oben erwähnten, innerhalb der Bezeichnung Keuschheit fallenden Begriffe der Reihe nach vorgehen. Mohammeds Sprache ist in der Terminologie genauer als die unsrige; er hat für jeden der Begriffe einen anderen Ausdruck, wodurch manche Unklarheit vermieden wird. Der ad I verwendete terminus ist v_aä^. Mohammed stellt zunächst das Gebot auf, ledige Menschen zu verheiraten2), verlangt aber gleich im nächsten Vers3) von denen, die niemanden zur Ehe finden — aus Armut, wie Baidhäwi erklärt —, bis zu einem durch die Gnade Allahs ermöglichten Eheschluß ein keusches Leben. An dieser Stelle wird der Ausdruck v^ääxä^. , also der Stamm v^aae gebraucht, der sich in gleicher Weise auf Männer, wie auf Weiber beziehen kann. Die Bibel hält die Keuschheitsforderung bis zur Ehe für selbstverständlich; eine ausdrückliche Betonung derselben fehlt. Der Talmud glaubt in Lev. XIX, 19 eine Andeutung hierauf zu finden und hilft sich auch über den Umstand, daß hier nur vom Weibe die Rede ist, mit der Tatsache, daß Ehebruch an männlichen wie auch am weiblichen Teil mit dem Tode bestraft wird, hinweg, indem er daraus schließt, daß obiges Gebot in Lev. XIX, 19 die Keuschheitsforderung bis zur Ehe auch für den Mann enthält4). Ad II existiert der Begriff Keuschheit nach Mohammed nur für die Frau. Der Terminus für diesen Begriff ist a^>; diesbezüg- 1) Sprengee, Mohammed und der Qorän, Hamburg 1889. 2) S. XXIV, 32. 3) ibid. 33. 4) Tosefta Kidd. I, 4.