Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 274)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorao. 259 ICulturgrad; damit glaube ich angedeutet zu haben, daß es sich hier um eine allmähliche Entwicklung der Ethik und innerhalb derselben der Sexualethik handelt, die in der Eindämmung der religiösen Prostitution ihren Anfang nahm und bisher in dem Keuschheitsideal des Katholizismus, der Jungfrau Maria, ihre weitgehendste Reaktion erfahren hat. Es wird nun zu untersuchen sein, auf welchem sexualethischen Grade das Volk der Araber stand, als Mohammed auftrat und in welcher Weise es durch sein Auftreten in dieser Hinsicht emporgehoben wurde. Eine durch die Geschichte hinreichend bewiesene Tatsache ist, daß ein Reformator, der feste, geordnete Verhältnisse stürzen will, daran selbst zugrundegeht. So kann auch Mohammed, der erfolgreiche Reformator, nur zu einer Zeit aufgetreten sein, da Unzufriedenheit mit dem Alten herrschte, wie dies auch Sprenger1) ausführt, mit andern Worten: in einer Übergangszeit. Dieses Moment äußerte sich denn auch in dem Verhältnis ihres Kultes zur Keuschheit. Einerseits galt ihnen der Sexualverkehr als etwas Unreines. Bestand doch die Tradition, daß Isaf und Naila versteinert wurden, zur Strafe, weil sie im Heiligtum koitiert hatten. Andererseits lag ihnen der oben als vierte Auffassungsmöglichkeit des Terminus Keuschheit genannte Umstand in kultlicher Beziehung ganz fern. Findet sich doch nach Sprenger2) sogar im Koran eine Andeutung bezüglich folgender in dem Kaabakulte vorkommender Zeremonie: die Kaaba-Anbeter umkreisten bei gewissen Gelegenheiten in nacktem Zustande die Kaaba, die Männer des Tages, die Frauen bei Nacht, mit der sonderbaren Begründung, sie wollten nicht in den Kleidern, in denen sie gesündigt haben, Allah anbeten. Wir haben es also mit einem Übergangsstadium zu tun, da der Keuschheitsgedanke wohl soweit entwickelt war, Sexualverkehr als verunreinigend zu betrachten, nicht aber daran Anstoß genommen wurde, daß sich der eine vor dem andern in unbekleidetem Zustande, wenn auch beim Gottesdienste, zeigte. In welcher Richtung bewegt sich nun das Eingreifen Mo- 1) Spbengeb, 1. c. I, S. 6. 2) Spbengeb, Mohammed und der Qorän, Hamburg 1889. 17*