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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 246

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 246 (sequence 260)
Language
German
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246 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. Unzucht innerhalb der Familie führen könnte; und danach die Schönheit des Zöglings und die Zunahme der zärtlichen Neigung nach einer Fortdauer dieses Zustandes verlangt, läßt er, außer der diesbezüglich bis auf den höchsten Punkt getriebenen Drohung, sogleich den Befehl zur Verheiratung folgen, welcher ihn (vor Sünde) schützen soll, und die Anrede geht an die Herrn und Machthaber." Klar über diesen Punkt ist sich also weder Mohammed noch seine Kommentatoren. Hinsichtlich der biblischen Auslegung bringt Ibn Esra eine Erklärung des Maimonides, die, wiewohl wissenschaftlich nicht haltbar, dennoch vom Standpunkte des Moraltheologen, den ja Maimonides in gewisser Hinsicht darstellt, von Interesse ist: Gott hat dem Menschen nach dem Sündenfalle dadurch, daß er ihm die gesetzliche Fortpflanzung auferlegte, gleichsam von der Göttlichkeit entfernt, was ja durch die Vertreibung aus dem Paradiese symbolisch angedeutet wird. Dennoch ist es Gottes Wunsch, daß sich der Mensch auch in der jetzigen Entfernung von der Gottheit derselben nach Möglichkeit nähere; dies kann durch Entfernung von der Sinnlichkeit, der Sexualität erreicht werden. In dieser Absicht habe nun Gott dem Menschen eben mit jenen Frauen, mit denen er stets beisammen ist, den Sexualverkehr verboten, damit er sich von der Sinnlichkeit abkehre. Diese Gedanken des Maimonides drängt Ibn Esra in seiner bekannten kurzen Diktion in die Worte: 7!D*6 pfi^ tib JTIDHM OTKPI 2h TDJ»!!)nj; h22 IDj; /Y!*ttttMn h2 ION rüffi mnp^n „Weil aber der Trieb des Menschen dem viehischen gleicht, ging es nicht an, daß er alle Weiber verbiete; so hat er nur die verboten, die mit ihm immer beisammen sind.'4 Nach dieser Erklärung muß also der coitus mit der Ehefrau, mit der man ja auch immer beisammen ist, als ein zur Fortpflanzung notwendiges Übel aufgefaßt werden, was ja eben den Moraltheologen genau kennzeichnet. Bemerkenswert ist, daß Mohammed die Verbote der Verwandtenehen keinesfalls ganz aus dem Judentum in den Islam getragen hat, sondern daß auch schon vor seinem Auftreten sich mannigfache Bedenken gegen die wohl bestehende Inzucht 1) Ibn Esra zu Levit. XVIII, 6.

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