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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 244

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 244 (sequence 258)
Language
German
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244 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. Mohammed erlaubt seinen Gläubigen, an die Witwen schon während der Wartezeit mit Heiratsanträgen heranzutreten1), setzt also nicht allzutiefe Witwentrauer voraus. Die Begründung dieser Erlaubnis hat Mohammed ehrlich zugegeben. Die Männer würden ihre libido nicht zurückhalten können, würde es verboten sein. Sicherlich liegt in den Worten: M O^^IXä^ „Allah weiß, daß ihr ihrer gedenken werdet", wenn sie aus dem Munde eines Moraltheologen kommen, ein g^y> ^y, eine Art von Tadel, wie Baidhäwi sagt, doch konnte Mohammed, wenn er gegen sexuale menschliche Schwächen auftrat, nie von oben herab, sondern immer nur aus gleicher Höhe seinen Gläubigen predigen, da er ja die Nachsicht Allahs für sinnliche Schwächen für sich selbst am meisten in Anspruch nahm. VII. Eheverbote. Den weitaus größten Platz innerhalb der Ehe verböte nehmen sowohl im Koran, wie in der Bibel die Verbote der Verwandtenehen ein. Eine Begründung dieser Verbote weiß, da sie in der Bibel gänzlich fehlt und auch der Talmud sich nicht mit ihrer Erforschung befaßt hat2), auch Mohammed nicht zu geben. Er begnügt sich damit, ähnlich wie die Bibel, die die Blutschande als 3)rDJWi als Greuel bezeichnet, den ärgsten Fall der Inzucht, den Verkehr zwischen Sohn und Mutter (Stiefmutter), als Jwaa^ pL*und &&£>li, hinzustellen, ohne weiter auf das „Warum" einzugehen. Doch ist dies keineswegs zu verwundern, da ja die moderne Medizin hierüber auch keine einheitliche Lehre aufgestellt hat, sondern verschiedene Theorien vertritt. FOREL5) weist sowohl die veralteten Behauptungen, die Verwandtenheirat sei gegen Gottes Gebot, sie verletze die natürliche Schamhaftigkeit, sie verwirre die Verwandtschaft, aber auch die heute noch geltende Begründung, sie sei schädlich für 1) S. II, 235. 2) Hingegen die spätere hebr. Literatur; weshalb z.B. der Onkel seine Nichte, aber nicht der Neffe seine Tante ehelichen darf, vgl. Ch. Bloch, Qobec mikthabim 50. G-runwald. 3) Levit. XVIII, 20. 4) Sure IV, 26. 5) Foeel, Die sexuelle Frage, München 1913, S. 190—191.

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