Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 241)
- Language
- German
- Belongs to
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 227 Schaden", oder wie Baidhäwi erklärt, ein kJL^, ein einmal nicht aus der Welt zu schaffendes Übel, mit welchem man sich daher abfinden müsse. Freilich wurde durch die menses nicht nur die sexuelle, sondern auch die kultische Reinheit der Frau beeinträchtigt. Wellhausen1) berichtet, daß sowohl im Heidentum wie im Islam die menstrua von jedem Kultus ausgeschlossen war. Dies läßt sich auch aus einem Zitat Baidhäwis schließen, welches gelegentlich der Erklärung des Unter- ÖJ schiedes zwischen fcyj und gebracht wird: H^LaJt ^.xo 2)iido!yit pLst „Rufe im Gebet in den Tagen deines Reinseins. " Die Frau konnte also nur zur Zeit ihrer sexuellen Reinheit am Gebete teilnehmen. Die Bibel setzt gleichfalls fest, daß die Menstrua in gleicher Weise wie die Wöchnerin nichts Geheiligtes berühren, das Heiligtum nicht betreten dürfe3), ja, geht sogar soweit, daß sie denjenigen, der mit der Menstrua selbst oder auch nur mit einem von ihr berührten Gerät in Berührung gekommen ist4), für einen Tag als levitisch unrein erklärt. Nach der biblischen Vorschrift tritt nach Ablauf von 7 Tagen ohne weitere Zeremonie von selbst die Reinheit der Menstrua wieder ein. Der Talmud setzt vor Wiederaufnahme des Sexualverkehrs ein Bad fest und verbietet strengstens jedwede Vereinigung vor dem Bade: STTintD Ü IDKnttf TJ7 ilKDE WT\ ühiyh 5)^X „Sie bleibt so lange unrein, bis sie ihm erklärt, sie sei rein", was von den Halachisten so aufgefaßt wurde: 1t£W ntSfttn «jvAnta "6 nDxnttf rrfy? v&b *\h mos nsotD nprra *wi „Eine Frau, von der man weiß, daß sie menstruiert hat, darf erst dann sexuell gebraucht werden, bis sie erklärt hat: ich habe gebadet." Die Einrichtung des Bades nach der Monatsblutung scheint auch Mohammed gekannt zu haben. Neu eingeführt hat er sie wahrscheinlich nicht. Ob sie nun durch jüdische Einflüsse entstanden sein mag, oder ob sie der Kultur der Heidenzeit angehört hat, läßt sich nicht feststellen. Der Koran er- 1) Wellhausen, 1. c. S. 455, Anm. 3. 2) Baidli. I, S. 118. 3) Leviticus XII, 4. 4) ibid. XV, 21. 22. 5) Nidda 12». 6) Schulchan aruch Joreh Deah 185, § 1. 15*