Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 235)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 P a p o, Die sexuelle Ethik im Qorän. nicht leicht, und so sehen sich die moslemitischen Rechtslehrer gezwungen, auf Umwegen zu einem entsprechenden Verbote zu kommen. So etwa Omar Haleby, der aus dem Verbote zu töten in Verbindung mit dem dem römischen Rechte entlehnten: „Nasciturus pro iam nato habetur, quotiens de eius commodo agitur" das gewünschte Verbot konstruiert1). Anders die Bibel und ihre Ausleger. Die Erzählung von Onan in der Genesis2), der den begründeten Wunsch haben zu dürfen glaubte, mit seiner Schwägerin Tamar keine Kinder zu zeugen, und der in dieser Absicht den coitus interruptus als Mittel zur Vermeidung der conceptio wählte, trägt dieses Moment in die Bibel. Es wird nun wohl berichtet, daß Onan von Gott vertilgt wurde, weil er „tat, was böse war in den Augen Gottes", doch keineswegs ausdrücklich betont, ob dies wegen des sexuellen Vergehens an Tamar geschah. Ein zweites Beispiel hierfür ist in der Bibel nicht anzutreffen. Den Talmudlehrern, die bereits die griechische und römische Sittenverderbnis kannten, waren derartige Sexualverirrungen wohl geläufiger, was schon daraus hervorgeht, daß sie für den unterbrochenen coitus eine eigene Bezeichnung, eine Metonymie aus dem Ackerbau, ähnlich wie Mohammed S. II, 223 gebrauchten: tSH 3)prQD mitt DMMD „Der im Innern drischt und draußen aussät". Auch andere Mittel zum gleichen Zwecke erwähnt der Talmud. Zunächst das Einlegen eines "]1D, eines Baumwolllappens, in die vagina des Weibes, welches nur in drei Fällen gestattet wird: fnp^D1 rVDlJJD fUöp 71M rWDttfD DWJ '2... fbiio mmj? ni^pn /vdijjd ,mür\ «dpi mynn kdw rotap mn bvxn mV np^D „Drei Arten von Frauen können mit einem Baumwollappen koitieren: eine Unreife, eine Schwangere und eine Säugende; die Unreife, damit sie nicht empfange und daran sterbe, die Schwangere, damit keine Mißgeburt entstehe6), die Säugende, damit sie ihr Kind nicht vorzeitig entwöhnen müsse, so daß es zugrunde ginge". Ein weiteres Mittel 1) Cf. Stern, 1. c. II, 273. 2) Genes. XXXVIII, 8. 9. 3) Jeb. 34*. 4) Jeb. 12*. 5) Diese Ansicht gilt allgemein im Talmud, daß nämlich durch eine neuerliche Empfängnis einer bereits Geschwängerten eine Mißgeburt entstehe.