Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 225)
- Language
- German
- Belongs to
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212 P a p o, Die sexuelle Ethik im Qorän. folgert wird, monogam verheiratet1); ja, man geht sogar so weit, daß man ihm knapp vor dem Versöhnungstage bedingungsweise eine zweite Frau gibt2), die jedoch nur in dem Falle als seine Frau gilt, wenn seine erste Frau am Versöhnungstage stirbt, — damit ja nicht der Hohe Priester als unverheiratet oder polygam verheirateter Mann seinen Dienst versehe. Aber auch dort, wo der Talmud über die Polygamie nicht hinwegkann, sucht er diese nach Kräften einzudämmen. In diesem Sinne ist auch der Moralspruch Hilleis gehalten: D^tött tlT\0 ^DHMSQ roiD „Der die Zahl der Frauen mehrt, der mehrt den Aberglauben." In der gleichen Absicht ist der Talmud auch bestrebt, der ersten Ehe einen besonders festen und heiligen Charakter zu verleihen: 4)mj?DT vby rDTDH I^SK rttWtfl WEN* ttTÜön b „Jeder, der seine erste Frau entläßt, dessentwegen vergießt sogar der Altar Tränen." Diese höhere Einschätzung der ersten Ehe dürfte in dem bereits in den Propheten5) und Hagiographen6) sich findenden besonderen Hervorheben des "pHJtt Mt£W, „des Weibes deiner Jugendzeit" seinen Ursprung haben. IV. Der Sexualakt. Wenn Geiger7) zu zeigen gesucht hat, daß sich Mohammed bei den Vorschriften über den coitus zum Judentum in schroffen Gegensatz gestellt hat, so ist dies nicht ganz berechtigt. Allerdings erlaubt Mohammed: w C 8),*jcaä ^lii ^l*o „Eure Weiber sind euch ein Acker, kommet zu eurem Acker, wie ihr wollt"; doch geht aus der sich daranschließenden Erklärung Baidhawis klar hervor, daß es sich hier nicht etwa um die Erlaubnis eines unnatürlichen coitus, etwa einer 1) Joma I, 13». 2) ibid. 3) Aboth II, 7. 4) Sanhedr. 22». 5) Maleachi II, 14. 6) Prov. V, 18. 7) Geiger, Was hat Mohammed aus dem Judentume entnommen? Bonn, 1833, S. 199. 8) S. H, 223.