Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 224)
- Language
- German
- Belongs to
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 211 Nachteil der Polygamie hin, und zwar dort, wo die Vielweiberei am ehesten möglieh, aber auch den größten Schaden anzurichten imstande war. Dem Könige wird ans Herz gelegt, nicht übermäßig viele Weiber zu nehmen, damit sein Herz sich nicht abkehre1). Wie notwendig eine solche Ermahnung war, hat ja die Zeit des Sittenverfalles unter David2) und Salomo3) deutlich genug gezeigt. Der Talmud, der ja die die Polygamie nicht ablehnenden biblischen Gesetze zur Grundlage hat, zeigt in dieser Frage keine einheitliche Stellung. An einer Stelle kommt dieses Schwanken klar zum Ausdruck: XnriK ..» idik y*w rniro jrw m t|« •»dk n nos *mzi pt-nw hm Di« kbm na« nnirü |M irwa by nm mvn 4)inW»PD^ Tfh ffm «im D^W „Er (Raba) beantragt: Er (ein von seiner Frau als impotent bezeichneter Ehegatte) solle doch hingehen, eine andere Frau nehmen und sich an dieser prüfen. R. Ami sagt: Dennoch muß er früher seine Frau entlassen, da ich sage, jeder, der eine Frau neben seinem Weibe nimmt, muß sich erst von letzterer scheiden. Raba dagegen meint, man könne beliebig viele Frauen haben, nur müsse man sie alle zu ernähren imstande sein." Aber dort, wo der Wortlaut der Bibel ihre monogame Tendenz durchschimmern läßt, greift dies der Talmud sofort auf. Ein Beispiel hierfür wären etwa die talmudischen Ausführungen über die Ehe des Hohen Priesters. Aus dem Singular des Wortes „Weib" in Lev. XXI, 13,14 wird bereits in tannaitischer Zeit im Sifra5) geschlossen, daß der Hohe Priester in monogamer Ehe zu leben habe. Ganz besonders aber wird auf das eheliche Verhältnis des Hohen Priesters an dem Tage gesehen, da er für das ganze Volk durch seinen Dienst im Allerheiligsten Versöhnung erlangen sollte. Der Talmud schließt aus Lev. XVI, 17 „er soll versöhnen für sich, sein Haus und die ganze Gemeinde Israel", indem er „Haus" mit Frau identifiziert6), der Hohe Priester müsse am Versöhnungstage unbedingt verheiratet sein, und zwar, wie weiter aus dem Singular des Wortes „Weib" ge- 1) Deuter. XVII, 17. 2) II Sam. XI. 3) IReg. XI, 1. 4) Jebam. 65». 5) Sifra zu Achare Moth p. 8. 6) Joma 1,1. 14*