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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 210

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 210 (sequence 223)
Language
German
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. scheint die Bibel doch nicht mit einemmale von den himmlischen Höhen der sittlichen Forderungen zur nackten Erdenwahrheit herabstürzen zu wollen. Sie läßt nach Abraham einen Rückfall in die Monogamie eintreten, in der ethisch wohl am höchsten in der Bibel stehenden Einehe Isaks mit Rebekka, des einzigen monogamen Patriarchen. Wie sehr Isak monogam gesinnt ist, geht auch aus seinem Auftrag an seinen scheidenden Sohn Jakob hervor; er, der unter der Polygamie seines älteren Sohnes Esau genug zu leiden hatte1), trägt Jakob auf, er solle sich nicht eine Frau von den Töchtern Kanaans nehmen, sondern nach Padan Aram ziehen und sich dort eine Frau von den Töchtern Labans holen2). In Jakob sehen wir zwar den guten Willen zur Einehe wirksam, indem er getreu dem Auftrage seines Vaters Rahel zum Weibe begehrt, doch wird er durch Labans List, der ihm seine ältere Tochter unterschiebt, geradezu zur Polygamie gezwungen, da er, von aufrichtiger Liebe zu Rahel erfüllt, auf diese nicht verzichten will. Die Idealgestalt der Bibel, Moses, lebt gleichfalls bis in seine späteren Lebensjahre monogam. Kurz nach dem Aufbruch vom Berge Sinai, so berichtet die Bibel, hat er eine nttfN JVBPD eine Mohrin geheiratet3); wiewohl der Talmud und die Kommentare über diese Ehe sich in tiefes Stillschweigen hüllen, zeigt sich doch die oben erwähnte Tendenz der Bibel darin, daß Miriam und Ahron, die Moses wegen dieser Ehe verunglimpfen und ihm die Führung streitig machen wollen, den göttlichen Verweis nur wegen des letzteren Moments erhalten4), nicht aber darum, weil sie die Vielweiberei Moses' getadelt hatten. Freilich, der Gesetzeskodex der Thora konnte mit dem Ideal nicht Schritt halten; denn, wenn auch das Volk durch den Dekalog zur Erkenntnis des 5)£|KJn K^, des Ehebruchsverbotes emporgetragen wurde, so war damit keineswegs die Einehe eingeführt, sondern nur der sexuelle Gebrauch einer verheirateten Frau durch einen andern Mann als Todsünde hingestellt, wie ja aus dem gleichen Ausdruck in Lev. XX, 10 hervorgeht. Und dennnoch weist die Bibel auch in dem gesetzlichen Teile auf den 1) ibid. XXVI, 35. 3) Num. XII, 1. 5) Ex. XX, 14. 2) ibid. XXVIII, 1. 2. 4) ibid. 6—8.

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