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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 209

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 209 (sequence 222)
Language
German
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P apo, Die sexuelle Ethik im Qoran. 209 Die Bibel ist, wenn auch in der Praxis von polygamen Verhältnissen erfüllt, doch in monogamem Geiste gehalten, indem bei gesetzlich gestatteter und auch historisch auftretender Vielweiberei sich deutlich die Forderung der Einehe als Ideal erkennen läßt. Wird doch nach der Darstellung des monogamen ersten Menschenpaares die bereits unter Lemech1) in kleinem Umfange einreißende Polygamie als Urheberin der Sittenverderbnis angegeben, wie Genesis VI, 1—5 zeigt, daß sich nämlich, nachdem sich Adam vermehrt hatte, die 2)DHr6& *CQ, die Söhne der Mächtigen, in polygamen Sexualverkehr mit Adams Töchtern einließen, Verbindungen, aus denen ein Geschlecht von D^SJ, von Riesen hervorging, von deren Verderbtheit gleich anschließend berichtet wird. Der einzige Noah, dessen monogame Ehe die Bibel mehrmals betont3), entgeht mit seiner Familie wegen seines gottgefälligen Lebenswandels der Strafe. Bei genauerer Betrachtung läßt sich deutlich die Vorsicht erkennen, mit welcher die Bibel nach dem Wiederaufleben des Menschengeschlechtes nach der Sintflut vom monogamen Ideal zur polygamen Praxis übergeht; noch die Völkertafel im X. Kapitel der Genesis ist frei von einer ausdrücklichen Betonung der Polygamie; es konnte doch schließlich auch wirklich die größte Nachkommenschaft eines Mannes, die 13 Söhne Joktans4), von einer Mutter stammen. Der eigentliche Übergang wird über die Person Abrahams geleitet und innerhalb derselben über das Konkubinat mit Hagar. Der ursprünglich in streng monogamer Ehe lebende Abraham nimmt sich nur darum, weil diese Ehe unfruchtbar bleibt, die Sklavin seiner Frau auf Wunsch derselben zur Konkubine. Aber damit ist das Prinzip der Vielweiberei neuerlich in die Welt gesetzt und Abraham geht später eine weitere Ehe5) und mehrere Konkubinate6) ein. Wiewohl damit der Übergang hergestellt wäre, 1) Genes. IV, 19. 2) Was darunter geineint ist, steht nicht fest; die Kommentatoren sind diesbezüglich uneinig; doch überwiegen die Meinungen derer, die in den D^n^fc Menschen sehen. Vgl. Ibn Esra zur Stelle. 3) Genes. VI, 18; VII, 7. 13; VIII, 16. 4) Genes. X, 26—29. 5) Genes. XXV, 1. 6) ibid. 6. Granwald, Jahrb. f. jiid. Volksk. II. 14

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