Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 218)
- Language
- German
- Belongs to
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 205 zuheben. Daß ihm daher bereits von seinen Zeitgenossen, besonders aber von seinen Frauen, der Vorwurf der Sinnlichkeit gemacht wird, daß ihm Aischa eben nach der Offenbarung des obigen Privilegs voll Ironie zuruft: „O Gesandter Gottes! Wie ich sehe, ist dein Herr deiner Liebe sehr günstig1)," darf ebensowenig Wunder nehmen, wie die Tatsache, daß die Muslime, seine sexuelle Unersättlichkeit zu verdecken, wo aber das nicht möglich, zumindest zu entschuldigen suchen und dies in der Weise, daß man die sinnlichen Genüsse Mohammeds als notwendiges Gegengewicht gegen seine prophetische Tätigkeit hinstellte, daß also dort, wo die seelischen Kräfte so stark in Anspruch genommen werden, die physisch-sinnlichen entsprechend zu ihrem Rechte kommen müssen2); freilich für unsere Begriffe eine etwas befremdende Ansicht über den Prophetismus. Daß aber Mohammed seine sexuellen Kräfte über Gebühr in Anspruch genommen hat, geht schon daraus hervor, daß alle seine späteren Ehen ohne Nachkommen geblieben sind, daß also er, in dessen Lehren als höchster Punkt der sexuellen Ethik die Forderung gilt, in dem Koitus das Mittel zur Zeugung zu sehen und ihn nur darum auszuführen, selbst der Sinnlichkeit nicht Widerstand zu leisten vermochte, indem er, der Zeugungsfähigkeit bereits entbehrend, neue eheliche Verbindungen schloß. Freilich hat er dabei die Nachteile der Polygamie in vollem Maße zu fühlen bekommen. Die Behauptung Roberts3), daß dies nicht der Fall gewesen, ist völlig unklar. Denn trotz der Machtstellung des Mannes begegneten die arabischen Ehefrauen ihren Gatten keineswegs in steter Demut und Unterwürfigkeit. Wellhausen4) warnt bereits vor solch einer Ansicht und meint, die arabische Frau stünde an Energie und Temperament der biblischen nicht nach. Mohammed sieht sich denn auch durch eigene Erfahrungen bestimmt, Vorschriften zu geben, die innerhalb der Polygamie das Eheleben erträglicher gestalten sollten. Ehestreitigkeiten sind ja nach den koranischen Verhältnissen etwas häufiges — ist doch der Ehezwist, wie wir gehört haben, 1) Weil, 1. c. Anmerk. 565. 2) Sprenger, 1. c. III, 87. 3) Roberts , Familien-, Sklaven- und Erbrecht im Koran, Leipziger sem. Studien II, 6, 1908, S. 7. 4) Wellhatjsen, 1. c. S. 451.