Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 214)
- Language
- German
- Belongs to
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P a p o, Die sexuelle Ethik im Qorän. 201 sowohl die biblische als auch die talmudische Ehe nichts andres sind, als Zivilehe im heutigen Sinne des Wortes, wobei nur die finanziellen Angelegenheiten vor dem Gerichtshof festgesetzt werden müssen, womit jedoch nicht gesagt sein soll, die Eheschließung hätte des Charakters der Heiligkeit entbehrt; betont doch im Gegenteil der Ausspruch, mit dem nach talmudischer Vorschrift der Mann die Frau zu seinem Weibe macht1), die Heiligkeit des Augenblickes, nur daß eben diese Weihe nicht von einem Priester, sondern von dem Bräutigam selbst in der Form des erwähnten Ausspruches vorgenommen wird. Die Ehegesetze des Korans können keinesfalls, wie bei einem regulären Gesetzbuche, objektiv oder zum mindesten unabhängig vom Autor behandelt werden, sondern die einschlägigen Bestimmungen stehen, wenn sie sich nicht direkt auf Mohammed selbst beziehen, in so engem Zusammenhang mit seinem Eheleben, daß eine Trennung der beiden Faktoren unmöglich erscheint. Die monogame Gesinnung des Propheten während seiner Ehe mit Chadigä zeigt sich auch im mekkanischen Teil des Korans, indem er die Ehe des ersten Menschenpaares als Muster hinstellt2). Als er aber nach dem Tode der Chadigä Saudä und bald nach der Ankunft in Medina Aischa heiratete und einige Zeit später sich mit Hafßa vermählte und fast gleichzeitig damit mit Zainab bint Chuzaima die Ehe einging, da mußte natürlich auch seine Lehre eine andere Stellung zu dem Eheideal, dessen Unerreichbarkeit für seine eigene Person er erkannt hatte, einnehmen. Offen mit dieser Gesinnungsänderung aufzutreten, bot ihm die Niederlage von Ohod Gelegenheit, nach welcher ihm die Aufgabe zufiel, die große Zahl der Witwen und Waisen zu versorgen. Unter solchen Umständen war es ja leicht, die Polygamie in den Dienst der Menschenliebe und Barmherzigkeit zu stellen. Doch läßt der diesbezügliche Koranvers deutlich erkennen, daß Mohammed schon damals die Nachteile der Polygamie gründlich gekannt 1) b&niü'n rrato niD nt n^saa ^b nmiptt ni* „Du seiest mir geheiligt durch diesen King nach dem Gesetze Moses und Israels". 2) S. XVI, 74; XLII, 9; trotz des Plurals ist an monogame Paare zu denken.