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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 197

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 197 (sequence 210)
Language
German
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P a p o, Die sexuelle Ethik im Qorän. 197 geschieden werden kann: „Ist der Mann impotent, so gibt ihm der Richter ein Jahr Zeit. Wenn er dann sich mit seiner Frau verbunden hat, so bleiben sie beisammen, wo nicht, werden sie auf Verlangen der Frau getrennt. Diese Trennung ist eine vollkommene Scheidung1)/' Hier gilt also nur absolute Impotenz als Scheidungsgrund, relative, wenigstens der Zeit nach, jedoch nicht. Die Bibel kennt Zeugungsunfähigkeit nur infolge von Kastration oder auch natürlichen organischen Fehler oder Verkümmerungen, doch ist ihr Impotenz in unserm Sinne völlig unbekannt2). Auch der Talmud kennt männliche Impotenz nur insoweit, als durch mangelnde Kraft beim Ausstoßen des Samens keine Konzeption erfolgt. Es wird also schon von einer Impotenz gesprochen, wenn das sperma nicht „schießt wie ein Pfeil4'3). Unfruchtbarkeit des Weibes gilt im Koran wie auch in der Bibel als weit größeres Unglück; freilich mehr für das Weib, als für den Mann; verliert sie doch damit ihren Daseinszweck, gilt allenthalben als überflüssiges Geschöpf und wird als solches mißachtet. Die Gestalt eines unfruchtbaren Weibes, die Koran und Bibel gemeinsam, wenn auch unter verschiedenen Namen, haben, ist Sarah, resp. das Weib des Zacharias. Mohammed bedient sich hierbei, zur Bezeichnung der Unfruchtbarkeit des biblischen Ausdruckes 4)y>U. Den tiefen Schmerz, den das Weib über die Kinderlosigkeit empfindet, auszudrücken, hat Mohammed ebenso wie die Verachtung, der eine Unfruchtbare ausgesetzt war, unterlassen und an den biblischen Gestalten und Erzählungen ignoriert. Daselbst wird letzteres Moment an Sarah in der Mißachtung durch ihre eigene Magd Hagar5), ersteres in den Verzweiflungsworten Raheis: ENI D\H *b ron 6)^N nnD }\S* „Gib mir Söhne, sonst sterbe ichu, betont. Doch gelten diese biblischen Tendenzen in gleicher Art auch für die 1) Helmsdökpeb, 1. c. § 65. 2) Das biblische (Deut. VII, 14) 1p2 bezeichnet nur die männliche Kinderlosigkeit infolge die Unfruchtbarkeit der Frau. 3) N-ipvyto nanTfc irra yro m-p nraiö nt rama „Jeder Beischlaf, bei dem das sperma nicht schießt wie ein Pfeil, bleibt unfruchtbar; Chagiga 15a, ähnlich Jebam. 65a. 4) S. III, 35. 5) Genes. XVI, 4. 6) ibid. XXX, I.

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