Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 208)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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P ap o, Die sexuelle Ethik im Qorän. 195 Frau und Kinder hat, darf er doch keine Unfruchtbare heiraten, da dies die Hure ist, von der die Bibel (als für Priester verboten) spricht." Soll die Wertung des Anteils der beiden Geschlechter hinsichtlich der Fortpflanzung untersucht werden, so gilt für Koran und Bibel, im Gegensatz zu unsrer heutigen Ansicht, die dem Weibe, als der Trägerin und Gebärerin der Frucht, größere Bedeutung für die Fortpflanzung beimißt, die Anschauung gegeben, in dem Samenspenden des Mannes den Lebensquell zu sehen und in der Tätigkeit des Weibes nur ein selbstverständliches Fortwirken des männlichen Zeugungsaktes zu erblicken. Für den Koran zeigt dies ja schon der Vergleich des Weibes mit dem v2j^; es erscheint eben, wie bei dem Ackerbau die Leistung des Bauern im Samenausstreuen besteht, dann aber der Erdboden ohne weiteres Zutun die Früchte gibt, auch bei dem Zeugungsakte die eigentliche Leistung auf Seite des Mannes gestellt, während das Fruchttragen des Weibes gleich dem des Bodens mehr als eine passive Rolle, die ja das Weib auch bei der Begattung spielt, angesehen wird. Der Vergleich mit dem Erdboden trifft auch hinsichtlich der Ernte zu, daß es nämlich hier wie dort eine gute, minder gute oder auch eine Mißernte geben kann, daß man nämlich von seinem Acker überwiegend männliche, überwiegend weibliche oder auch gar keine Kinder haben könne, was ja natürlich gleichfalls nicht als vom Weibe abhängig, sondern dem Willen Allahs anheimgestellt gilt1). In der Bibel ist wohl eine ausdrückliche Betonung dieser Ansicht über das Wirken von Mann und Weib nicht vorhanden. Dennoch finden sich Andeutungen des Umstandes vor, daß der semen virilis resp. als Träger desselben das membrum virile in biblischer Zeit Gegenstände des Kultus waren. RUBIN2) findet in diesem Sinne in den D^Sin, die die unfruchtbare Rahel aus ihrem Vaterhause mitnimmt3) und deren sich auch Davids erste 1) S. XLII, 48. 49. 2) Rubin, Kabbalah und Aggada in mythologischer, symbolischer und mystischer Personifikation der Fruchtbarkeit in der Natur. Wien 1895, S. 32. 3) Genes. XXXI, 19. 13*