Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 194)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. sondern die Tugend des Weibes wird, der männlichen gleich, mit 1)^n bezeichnet, auch gleich gewertet, indem von dem Weibe relativ nicht weniger wie von dem Manne Tatkraft gefordert wird, in welchem Sinne die Bezeichnung Vri wohl aufzufassen ist. Daraus zeigt sich, daß die Bibel die Forderungen der sexuellen Ethik den sozialen gegenüber bei der Wertung der weiblichen Tugend hintansetzt, indem sie erstere, wie man wohl annehmen kann, als etwas Selbstverständliches, nur durch das Unterlassen von Verbotenem leicht zu Erreichendes, letztere jedoch als durch tätiges Schaffen mühevoll zu erwerbende Verdienste einschätzt. Freilich kann diesbezüglich die Bibel nicht als voll äquivalente Parallele zum Koran hingestellt werden, da ja speziell in diesem Punkte die Zeitanschauung eine gewaltige Rolle spielt. Mit der allgemeinen Sittenverderbnis mußte auch das Volk der Bibel die Hauptforderung der Sittlichkeit an das Weib in den Vordergrund rücken, konnte dieselbe nicht mehr wie die Bibel hinter die Forderung nach Tüchtigkeit stellen, wie mehrere aggadische Aussprüche zeigen. Wie etwa: ... Dian JMS tfinff mpDD xhx .. wtcin ]D nrviK xnns vb nyws nwx «nn nh idik nvi m ktd rpnw *üki -dk b ^jn 2)nym rim „ .... Ich will sie nicht aus dem Haupte erschaffen..... sondern aus dem Körperteil, der als Scham gilt beim Menschen" und bei jedem Glied, welches er an ihr schuf, rief er ihr zu: „Sei ein schamhaftes Weib, sei schamhaft Weib!" Doch bleibt es hier allenfalls bei der allgemein lautenden ethischen Forderung, ohne daß diese durch gesetzliche Vorschriften und Einzelbestimmungen gestützt wird, wie dies in Arabien geschah und von Mohammed, wie bereits erwähnt, in stark erweitertem Umfang durchgeführt worden ist. Keinesfalls braucht man jedoch nach dem über die soziale Stellung des Weibes Gesagten anzunehmen, daß das Weib des Koran unter der drückenden Last der männlichen Herrschaft sich unglücklich fühlte. Mit Recht berichtet Wellhausen3), die arabische Frau sei mit ihrer Stellung voll zufrieden, wünsche 1) Ruth III, 11; IV, 11; Prov. XII, 4; XXXI, 10. 2) Genes, rabba XVIII. 3) Wellhausen, 1. c. S. 452.