Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 192)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Papo, Die sexuelle Etbik im Qorän. einen Monat lang in einem Dachstübchen1). Auf die den Frauen auferlegten Verschleierungsvorschriften, die, wie ich gleich jetzt bemerken will, für ledige und verheiratete Frauen fast gleich sind2), wird später genau eingegangen werden. Besuche bei fremden Männern machen durfte die Frau auch in voller Verschleierung nicht, außer zum Zwecke der Krankenpflege3). Hierbei muß jedoch deutlich betont werden, daß diese Art weiblicher Tugend nicht etwa von Mohammed als neue Forderung aufgestellt worden ist, sondern daß das Q*as> schon vor dem Islam als sittliche Forderung an das Weib galt; sogar die Sitte des Verschleierns wird vielfach als vormohammedanisch angenommen4). Freilich deckte sich die strenge Abgeschlossenheit des Weibes mit den Anschauungen Mohammeds, so daß er diese Einrichtung der Gahilija in die Lehren seiner Ethik aufgenommen und entsprechend ausgebaut hat5). In wesentlich anderem Licht erscheint die Frau in sozialer Hinsicht in der Bibel. Von einem Abschluß in der Art, wie Mohammed ihn von der Frau verlangt, kann keine Rede sein; es deuten im Gegenteil eine Reihe von Beispielen darauf hin, daß speziell in der Patriarchenzeit die Frau bedeutende Freiheit genossen hat. Rebekka läßt sich ohne Umstände am Brunnen in ein Gespräch mit einem fremden Mann ein6) und auch Rahel mengt sich ohne Scheu mit ihren Schafen unter fremde Hirten7). Rebekkas Verschleierung bei ihrer Begegnung mit Isaak, darf uns als spezieller Brauch, die Braut vor dem Bräutigam vor der Hochzeit zu verschleiern, nicht wundernehmen, da sich ja derselbe im Judentum bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Allerdings verringerte sich die Freiheit des Weibes nach der Verheiratung; die verheiratete Sarah zeigt sich den Gästen ihres Mannes nicht, wiewohl, wie aus ihrem 1) Weil, 1. c. S. 275. 2) Zschokke, Religiöse, soziale und häusliche Verhältnisse des Orients unter dem Einfluß des Islams, Wien 1876, S. 109. 3) Wellhausen, 1. c. S. 448. 4) Vgl. Jacob, Das Leben der vorislämischen Beduinen, Berlin 1895, S. 46 uod Pischon, Der Einfluß des Islam auf das häusliche, soziale und politische Leben seiner Bekenner, Leipzig 1881, S. 7. 5) Vide S. XXXHL 6) Genes. XXIV, 15. 7) ibid. XXIX, 9. 11.