Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 191)
- Language
- German
- Belongs to
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 179 Aufziehung zu ersparen, sondern auch bei den Vornehmeren Platz griff und da mit der Begründung, man wolle sich die Schande ersparen, sein eigen Fleisch und Blut in der Gewalt eines fremden Mannes zu sehen3). Mohammed läßt keinen der beiden Gründe als Rechtfertigung des Kindesmordes gelten, sondern schilt die unglücklichen Väter von Töchtern ob ihrer Verstimmung über den weiblichen Sprößling2) und versagt den Kindesmördern sogar das Seelenheil3); doch mochte ihn nicht allein sein ethisches Empfinden zu diesen Bestimmungen veranlaßt haben. War es ihm doch um seiner eigenen, wie auch seiner Gläubigen Sinnlichkeit willen darum zu tun, das Weib als gehorsame Sklavin des Mannes zu erhalten, dieses Verhältnis als eine Bestimmung Allahs hinzustellen, daß also niemand das Recht habe, die Weiber der ihnen nach Allahs Willen zukommenden Begattung und Beherrschung durch den Mann, den Jju, zu entziehen. Aus dieser unterdrückten sozialen Stellung des Weibes im allgemeinen gehen leicht die Einschränkungen hervor, die innerhalb derselben dem Weib hinsichtlich ihrer Bewegungsfreiheit auferlegt waren. Das treffendste Kennzeichen hierfür bildet schon der Ausdruck, womit ein ehrbares Weib im Koran stets bezeichnet wird: XJu^. Dieser Terminus, ursprünglich Abgeschlossenheit bedeutend, ist in eine allgemeine Bezeichnung weiblicher Tugend4) übergegangen, welche für den Araber eben in der Abgeschlossenheit des Weibes von der Welt besteht, für ihren Joo, für ihren Gatten. Sie ist an das Zelt gekettet, ja, es ist der Begriff Ehefrau und Zelt so eng miteinander verbunden, daß das eine ohne das andere nicht gedacht werden kann5). Mohammed hat, da er nach dem Skandal mit Maria im Zelte der Hafßa von allen seinen Weibern nichts wissen will, auch kein Zelt zur Verfügung, sondern lebt 1) Wellhausen, Die Ehe bei den Arabern, Nachrichten Güttingen 1893, S. 433. 2) S. XVI, 60. 61. 3) S. VI, 141. 4) In diesem Sinne etwa Zamachschari: L^i.^.^ »1Ji\ ^Ja.ig L^Juä^ „Heirate das Weib nicht wegen ihrer Schönheit, sondern wegen ihrer Tugend" [„Goldene Halsbänder", J. v. Hammer, Wien 1835, Spruch 97]. 5) Im Talmud die gleiche Ansicht: Joma I, 1) (Levit. XVI, 17) "intt5N IT imn „Sein Haus, damit ist seine Frau gemeint". 12*