Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 188)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. bindung mit der vorausgehenden Verführung des Mannes in logischer Aufeinanderfolge die Entstehung des den biblischen Lehren zugrunde liegenden Verhältnisses zwischen Mann und Weib abschließt, sehen wir Mohammed in seiner Darstellungsart des Sündenfalles diesbezüglich bestenfalls bei einer Begründung des Ehezwistes landen. Die Überordnung des Mannes über das Weib ist seinerseits in den Worten x) Xs^o ^-d^ ^=>j^*> wohl betont, jedoch in einem ganz andern Zusammenhang, ohne auch nur die geringste Begründung für dieses Privileg anzugeben. Noch verwunderlicher ist es, daß das Moment der Verführung durch das Weib von Mohammed nicht aufgegriffen wurde. Im Koran ist die Gestalt des Weibes als Verführerin etwas allenthalben Auftretendes. Die später zu behandelnden strengen Verschleierungsvorschriften sind der beste Beweis hierfür; sogar seine eigenen Frauen hält der Prophet in dieser Hinsicht nicht für zuverlässig und läßt ihnen, wovon aucj^t weiterhin gesprochen werden wird, eine spezielle Warnung von Allah zugehen2). In gleichem Sinne will Baidhawi aus der Voranstellung des weiblichen Teiles bei der Strafbestimmung für Unzucht den Schluß ziehen, daß in den meisten Fällen das Weib durch ihre Verführung die Schuld trage: ^J^JÜ Ij^OjxX^ uJU^St <3 Uyt J$ **iljSt fLVi Uit5 „Und die Hure hat er darum vorangestellt, weil die Unzucht meistens dadurch entsteht, daß sie sich dem Manne darbietet..." Während nun Mohammed durch mannigfache Vorschriften diesem weiblichen Charakterzug entgegenzutreten sucht, bestrebt sich die Bibel, wiewohl sie dieses Moment in der Darstellung des Sündenfalles betont und als Erdenfluch in Geltung bleiben läßt, wenn auch nicht in einem ausdrücklichen Gebote, so doch in ihrer allgemeinen Haltung, die sittliche Forderung an das Weib zu stellen, diesem Gottesfluch nach Kräften entgegenzuarbeiten. Diese Absicht der Bibel kennzeichnet sich deutlich in dem Bemühen, das Moment der Verführung von 1) S. H, 228. 3) Baidh. II, S. 15. 2) S. XXXIII, 32.