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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 168

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 168 (sequence 180)
Language
German
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168 Löwinger, Der Windgeist Keteb. ner1). Eine andere Hexe, die in einem heißen Winde wohnte, hauchte eine Frau an und sie wurde aussätzig2). Auch Krankheiten der Kinder werden öfters einem schädlichen Windeswehen zugeschrieben, denn im Winde hausen böse Geister. Diesem Übel kann durch ein Amulett vorgebeugt werden, das durch einen Wunderrabbi „ibergesprochen" worden ist. Ein Heilmittel ist das Beräuchern mit Bernstein3). Gegen böse Winde überhaupt empfiehlt sich den 11. Psalm zu rezitieren4). Nach R. Jehuda dem Frommen kämpfen im Ungewitter Dämonen miteinander5). Andere wieder glauben: Wenn ein großer Wind weht, so holt der Teufel einen „Freimaurer" oder es hat sich irgend jemand erhängt. Letzteres Motiv ist noch jetzt allgemein im Umlauf6). Die Dämonen, die im Wirbelwinde vermutet werden, sind zumeist selbst seine Urheber. Daher werden sie manchmal im Winde gesehen. In einem babylonischen Epos schafft der Urstoff Hubtir nebst Ungeheuern und Feuerschlangen auch Windgeister. Marduk schafft Winde, Stürme, um damit Tiamat zufangen7). Auch die Judensagen: „Einen Wirbelsturm machen die Mechaschfim (Zauberer). Einmal warf ein Chosid (Frommer) ein Messer in einen solchen Staubdrehdel, da kam Blut heraus"8). Pjipst Eugen IV erwähnt in einer Bulle von 1437, daß Ketzer unter Anrufung der Teufel durch Zeichen und Bilder Krankheiten und Gewitter verursachen. Und die Waldenser werden tatsächlich u. a. angeklagt, daß sie durch ein in die Luft gestreutes Pulver Unwetter und Krankheiten erregen9). Dieser Glaube ist auch in Ungarn verbreitet. Da nennt man den Wirbelwind Hexenwind (boszorkänyszel), weil ihn die 1) Dähnhabdt, a. O. III, 435. 2) Hoensbeoech, a. 0.125. 3) Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1908, 14. 4) Das. 1910,160. 5) Sefer Chaßidim 463. 6) Am Ür-Quell 1891, 67; 1894, 261. 7) Magyar Zsidö Szemle 1914, IV, 283, 291. 8) Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1898, 70; 1900, 43. 61. 9) Hoensbeoech, a. O. 36,82,149 und öfter. Güdemann, Erziehw. 1,221. Daß sie Stürme und Blitz heraufbeschwören können, wie die Hexen, Böcke und Kater küssen.

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