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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 164

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 164 (sequence 176)
Language
German
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164 Löwinger, Der Windgeist Keteb. In der Heidenzeit hatte der Bock noch keine diabolische Bedeutung. Die Marokkaner glaubten sogar, die Djnün (sing. Djinn) können alle Tiergestalten, nur die eines Ziegenbocks nicht, annehmen1). Aber dem mittelalterlichen Christentum, das sich mit dem Teufel allzuviel beschäftigte, erscheint dieser schon sehr häufig in der Gestalt des Ziegenbockes. Ein gewisser Michael Ludwig — so wird erzählt — verschrieb sich sogar in zwei Urkunden dem Teufel. Als die Zeit heranrückte, bereute er natürlich seinen Leichtsinn. Er hörte eine Messe und da sah er zwei Ziegenböcke auf den Hinterbeinen stehen, zwischen den Vorderbeinen hielten sie die Urkunden. Im Jahre 1453 wird ein Geistlicher vom Inquisitionsgericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, weil er den Teufel in Bocksgestalt verehrte. 1564 wurden zwei Männer und eine Frau verbrannt, weil sie den Teufel als Ziegenbock anbeteten. Ein Franziskanernovize hatte das Unglück, mit einem Teufel Freundschaft zu schließen. Dieser führte ihn zu einer Hexenversammlung, wo er sich in einen schwarzen Ziegenbock verwandelte, dann streckte er sein Hinterteil in die Höhe, das von allen Anwesenden geküßt wurde. Dieser Liebeskuß, der gewöhnlich einem schwarzen Bocke galt, wurde jeder Hexe zur Pflicht gemacht. Die Hexen werden auch zumeist von schwarzen Böcken durch die Luft an den gewünschten Ort getragen. So wurde am 13. August 1586 in Trier eine Hexe verbrannt, weil sie auf einem Ziegenbock — er mußte nicht unbedingt schwarz sein — zu den Versammlungen ge- "^Tnn ms die Wüste ist sein Wohnungsort, während Abravanel im Azazel eine Anspielung auf Esau (^P^TÜ ttTN) sucht. Ein mystischer Midrasch will hierin wiederum die gebrochene Kraft der Dämonen symbolisiert finden, Beth. ham. VI, 109, alle aber sehen den Dämon im Ziegenbocke. Nach Sohar II, 185» hat der Bock für Azazel bloß den Zweck, den Delator Israels zu befriedigen, damit er sein Teil bekomme und seines Weges gehe oder sogar zum Verteidiger werde. I, 174» der treue Hirte III, 248 a; Jalkut G-en. identifiziert Azazel mit dem gefallenen Engel Azael, 44; Beth ham. V, 128. Saadja hält Azazel für den Namen eines Berges, Em. ved. III, 10. Der Verfasser des Barnabasbriefes sieht im Bocke des Azazel sogar ein Abbild des leidenden Jesus, Heijnecke, Neutestam. Apokr. 156. Es dürfte auch nicht für einen Zufall gelten, daß unmittelbar auf das Gesetz vom Azazel (Lev. 16) das Verbot folgt:;Sie sollen ihre Opfer nicht mehr den s'Irim schlachten (17, 7). 1) ZS. ... Ethnol. 1886, 672.

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