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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 108

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 108 (sequence 118)
Language
German
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108 Grünwald, Das „Lernen". „Woche", auch wohnten diese Bachurim mit geringen Ausnahmen nicht in der Jeschiwah, sondern privat. Die meisten erhielten von Hause Unterstützungen. Die Unbemittelten schlugen sich durch, indem sie sich einen „Chawer" hielten, d. h. sich von einem Kollegen, mit dem sie lernten, für diesen Nachhilfeunterricht honorieren ließen. Für die Aufnahme in diese Jeschiwah und Bewilligung des Wochengeldes waren die Fähigkeiten maßgebend, aber auch Stand und Stadt. Ein Verheirateter wurde einem Bachur vorgezogen und brachte man einen Empfehlungsbrief von einer Stadt, die zur Erhaltung der Jeschiwah beigesteuert hatte, so erhielt man ein größeres Wochengeld. Das Budget eines Jeschiwah-Bachurs belief sich im Monat auf 6 bis 12 Rubel. Es war ja alles spottbillig. Für Wohnung zahlte man 15 bis 20 Kopeken die Woche. Dafür war die Wirtin verpflichtet, zweimal täglich den Samowar zu stellen und das Essen zu kochen. Mit 10 bis 12 Rubeln monatlich lebte man reichlich. Die meisten kamen mit monatlich 4 Rubeln aus. Trotz dieser Wohlfeilheit hungerten viele. Für das Städtchen war eine solche Jeschiwah eine beträchtliche Einnahmequelle. Bei ein paar hundert Bachurim fällt doch etwas ab. Die Jeschiwah erhielt sich durch Geldsammlungen in aller Welt. Sendboten („meschullachim") reisten umher und hielten in jeder Gemeinde Vorträge (,,Droschesa). Mit Hilfe des Ortsrabbiners oder eines angesehenen Gemeindemitgliedes sammelten sie dann bei den „Baale battim". Bis vor 35 Jahren waren diese beiden Jeschiwoth die einzigen in Rußland, zu deren Erhaltung das gesamte jüdische Rußland beisteuert. Seither kamen hinzu die Telz er Jeschiwah und der „Kownoer Kolel". Die Disziplinargewalt in den kleinen Jeschiwoth lag in der Hand des Rosch Jeschiwah, des Maschgiach und derjenigen „Baale battim", die sich den Angelegenheiten der Jeschiwah widmeten. In den großen Jeschiwoth war eine Mitwirkung von privater Seite ausgeschlossen. Dort waren die Jeschiwah-Bachurim „Jachsanim" (vornehm); von ihnen lebte doch zum Teil die Gemeinde. Die ganze Verwaltung der Jeschiwah großen Stiles war der Direktion anvertraut. Der Rosch Jeschiwah,

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