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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 107 (sequence 117)
Language
German
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Grrunwald, Das „Lernen*. 107 Schabbath beim „Nugidu mit bei Tisch, so ist man wieder durch den „Derech erez" (das Ceremoniell) geniert. In den kleinen Jeschiwoth hat sich unter den Bachurim ein Handel mit den „Tag" entwickelt. „Berjes" (hier: Glückspilze) unter den Bachurim pflegen 2 oder 3 Montage oder Dienstage zu haben und diese den „ScMimmesalnikes" (Pechvögeln) zu verkaufen, denen Tage fehlen. Ferner ist es Übung, einen besseren gegen einen schlechteren, einen nahen gegen einen weiten einzutauschen. Schabbath und Jomtow fehlt keinem, selbst jenen nicht, die keine ständigen Schabbosim haben. Der „Mithassek" und die paar Juden, die als Gäste die Jeschiwah frequentieren, pflegen alles aufzubieten, daß jeder seinen Schabbos oder Jomtow habe. Fast alle Bachurim wohnen in der Jeschiwah. Selten schläft einer in einer Privatwohnung. Die Tische und Bänke der Jeschiwah dienen als Nachtlager. Ein Strohsack oder ein Kissen sind Ausnahmen. Man behilft sich mit einem Mantel, einem Handtuch, einer Kappe. Die Verteilung der Lagerstätten ist umstritten. Die „Memscheleth ha-jom", das Tagregiment, hat andere Gesetze als das der Nacht. Am Tage gilt am höchsten die Gegend am Misrach (Osten), in der Nähe des „Oren ha-kaudesch", — bei Nacht die Maarow-Gegend (Westen), näher dem Ofen zu. Die Chasaka (Anrecht) auf einen guten Platz bei Tage in Misrach und bei Nacht auf einem Tisch oder einer Bank neben dem Ofen ist ein kostbarer Besitz, den man mit Geld zu erwerben pflegt. Momentane Verlegenheit (chajje schaah), zeitweiliger Hunger waren nicht imstande, einen Bachur zu zwingen, sich eines solchen Besitzes zu entäußern. Außer allen den lokalen Jeschiwoth, die meist den ersten Übergang vom Talmud Thora-Typus zur Hochschule darstellen, gab es in Rußland zwei große Jeschiwoht von Weltbedeutung. Die eine, kleinere, im Städtchen Mir, die andere in Wolozin, eine Gründung Rabbi Chajjim Woloziners, eines Schülers des Wilner Gaons. Diese Jeschiwoth wurden von einigen hundert Bachurim besucht, die keine „Täg", auch Schabbos nicht, bekamen, sondern nur Wochen", und zwar von der Jeschiwah. 50 Kopeken bis 1 R. 50 K. kostete eine solche

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