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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 106

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 106 (sequence 116)
Language
German
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106 Grrunwald, Das „Lernen*. kleinen Jeschiwoth wird vormittags kursorisch vorgetragen, oft mit einem P'sehätl (geistreicher Harmonisierung). In den großen Jeschiwoth fällt auf den Vormittag der Schiur für Pilpul (Kasuistik). Nach dem Schiur etwa um 2 Uhr wird zu Mittag gespeist und nach der Mahlzeit sofort wieder gelernt, im Sommer bis zum Abendgebet, im Winter bis 9 oder 10 Uhr. „Mathmidim" (Fleißige) beginnen vor dem Dawenen und sitzen über dem Talmud bis in die Nacht. Fast alle Jeschiwoth sind lokale Gründungen. Das Städtchen besoldete den Rosch- Jeschiwah (Rektor) sowie den Maschgiach (Aufseher, technischer Leiter) und stellte die „Täg" für die Bachurim bei. Eine größere Frequenz weisen nur die Jeschiwoth in den größeren jüdischen Gemeinden auf, da nur solchen eine entsprechende Leistung für die Jeschiwah-Jünger zugemutet werden darf. In den kleinstädtischen Jeschiwoth fanden sich nur Jünger aus dem Ort und den umliegenden kleinen Gemeinden und Anwesen. Die Unterhaltungskosten werden durch Sammlungen in der Umgegend bestritten. Die Jeschiwah ist eine Kreisinstitution. In den kleineren Städten bestellt die „Täg" der Maschgiach, auch „Mithassek". In den größeren erhalten bestellte „Tage" nur die aus besseren Familien oder Protegierten. Die übrigen müssen von Haus zu Haus gehen und sich selbst „Täg" suchen. Nicht alle sind mit „Täg" versorgt1). Manchem fehlt ein Montag oder ein Donnerstag oder sonst ein „Tag". Solche Bachurim versorgt fast in jeder Jeschiwah ein Mann oder eine Frau, die in der Gemeinde für hungernde Bachurim Brot sammeln. Die „Täg" bei armen Leuten sind gesuchter als die bei reichen. Der Arme behandelt den Bachur menschlicher, er nimmt ihn an seinen Tisch und reicht ihm selbst das Essen. Beim ,,Nagid" (Reichen) sitzt er nicht bei Tisch, er ward im ganzen der Magd überantwortet. Und sitzt man schon am 1) Von den Preßburger Bachurim, die nur für Mittag Freitisch erhielten, für Frühstück und Abendbrot aber selbst zu sorgen hatten, sagte der verstorbene dortige Rabbiner: „Und es war kein Abend(brot), und es war kein Morgen (Frühstück), und doch heißt es: ein „Tag".

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