Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald,Das „Lernen" 105 der Reihe nach. Hier ist der Unterricht dazu bestimmt, in den Jeschiwahbesuchern den talmudischen, zugleich auch den pilpulistischen Geist zu entwickeln. Dem Bachur bleibt es überlassen, tagsüber zu lernen, was ihm beliebt. Meistens lernt man Nesikin und Naschim. Erstrebt einer die S'mieha, den Rabbinertitel, um sich um ein Rabbinat zu bewerben oder für eine Partie, so wählt er zum Examensstoff Chullin mit Jore dea und zum Teil Choschen mischpat, speziell Dinim, Eduth, Halwaah etc. Eigentlich den Schulchan aruch zu kennen braucht der Kandidat nicht. Das überließ man der Notwendigkeit, wenn er das Rabbineramt praktisch ausüben sollte, als „kardom lachpor bah", als Axt, damit zu graben, wie es in den Sprüchen der Väter heißt. Selten arbeiteten die Bachurim für die S'micha, sondern rein um der Sache willen „stopften sie sich voll" (memalle kressom) mit „Schass". Nur wenn einem die „Kostzeit" zu Ende ging und er an „Taehlith" denken mußte, griff er zu „Poskim" der „S'micha" wegen. Hier, wo es sich um praktische Wertung für einen Beruf handelte, unterschied man schon verschiedene Grade. Eine partielle S'micha für „issur w'hetter" (verboten und erlaubt) und eine ganze S'micha. Auch in den mit der S'micha zu erteilenden Titeln gibt es Abstufungen und Schattierungen. Vollwertig nahm man nicht den Bachur, den Ledigen, sondern den Verheirateten. Für ihn entwickelten sich in der alten jüdischen Gesellschaft Titel, wie in den europäischen Schulen Noten und Diplome. Die gewöhnliche S'micha berechtigte zu dem Titel: mn DDUSOT nn, eine höhere Stufe: Witt Sin. rn mn steht noch höher, — das m kann man ja als ,,^VWn", aber auch als „p&in" lesen. Darüber hinaus ragt pftA m SV\. Eine Seltenheit war die S'micho mit dem Titel pion nirt. Lernen und Leben in der Jeschiwah. In aller Frühe wird „gedawent" (gebetet). Nach dem Beten lernt jeder ein bischen für sich, dann wird „angebissen" (gefrühstückt). Nach dem „Unbassen" geht man in die Jeschiwah und bereitet sich auf den Schiur (Talmudvortrag) vor. In den