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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 104

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 104 (sequence 113)
Language
German
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104 Grunwald, Das „Lernen*. Jeschiwah dem Charakter treu geblieben, mit dem sie einst gegründet wurde. In der ganzen langen Zeit des Bestehens dieser Institution sind weder Lehrbücher geschrieben noch Methoden festgelegt worden, den Wissensstoff zu erfassen und zu meistern. Offen liegt der Talmud da. Jeder, der hereinkommt, soll lernen. Die Jeschiwah ist das geistige Heim des jüdischen Jünglings (bachur). Hier werden Juden gebildet und geformt. Hier, in der Jeschiwah, schläft er, in der Jeschiwah ißt er, in der Jeschiwah lernt er. Aufgaben werden ihm nicht gestellt. Höchstens in den Jeschiwoth der kleinen Ortschaften, wo der Bachur von der Vorstufe, der Talmud-Thora, in die Jeschiwah aufsteigen soll, wo er seinen Privatschiur zu machen hat und sich verhören lassen muß. Auf einer größeren Jeschiwah gibt es keine Aufgaben, keinen Zwang. Höchstens einen: den ganzen Tag in der Jeschiwah zu sitzen und zu lernen. Welches Pensum er bewältigt und was er lernt, ob „Schass" (Talmud) oder „Poskim" (Dezisoren), darauf sieht man nicht. Die Hauptsache ist, daß er vom Morgengebet bis nach dem Abendgebet in der Jeschiwah lernt. Natürlich wird der „gute Kopf" besonders geschätzt. Man spricht sogar nicht nur von einem Genie („Illuj"), sondern auch von % und % IUuj. Diese Titel wiegen aber nur als Vorzug zum „Schidduch", d. h. bei einer Heiratspartie, dort, wo die Thora durch „Taehlith", durch greifbaren Gegenwert, aufgewogen wird. In der Jeschiwah selbst hingegen hat der Mathmid, der Fleißige, höheren Anwert als der faule Illuj. Besondere Kurse gibt es in der Jeschiwah nicht. Höchstens in den kleinen Jeschiwoth wird unterschieden zwischen Schiurim (Lektionen) für ein „poschetes Blatt Gemoro" (kursorisch) und solchen für ein Blatt Gemara mit Tossafoth, M'harscha usw. (statarisch). Die Jeschiwoth kennen auch keinen Lehrplan, der in einer bestimmten Zeit absolviert wird und dem Absolventen ein Anrecht auf einen gewissen Platz in der talmudischen Welt verleiht. Auf den kleinen Jeschiwoth wird meist der Talmudteil „Nesikin" gelernt, auf den größeren die anderen Sedarim: K'thubboth, Beza, selten Schabbath oder Erubin oder Chullin. Auf den großen Jeschiwoth lernt man „Schass" „k'seder", d. h.

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