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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 103

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 103 (sequence 112)
Language
German
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Grrun wald, Das „Lernen" 103 einer, um eine Nuance stimmungsvolleren und an Stellen, die eine besondere Kopfanstrengung erheischen, mit einer mehr trockenen, abgehackten Weise. In der Jeschiwah, sowie im gewöhnlichen Leben nimmt der Talmud seine süßen Melodien an, und wenn der Lernende bei richtiger Stimmung ist, hört man mehr Töne als Worte. Oft bleibt er bei einigen unbedeutenden Worten stehen, wiederholt sie gedankenlos mehrmals, bis seine Stimme in ein Weinen übergeht. Die sanfte Trauer, die nagende Sehnsucht nach Läuterung der Seele und das gleiche Empfinden für Gut und Böse hat die Lernenden ergriffen. Manchmal kommt es vor, daß ältere ungeduldige Besucher des Lehrhauses diesen verzückten mystischen Gemara- Gesang durch heftiges Klopfen auf den „Ständer" unterbrechen. Wie aus einem Traum erwacht, blickt man unwillig auf den Störenfried und eine Pause tritt ein. Doch sogleich steigt der „Gemoro-nigen" wieder auf. In der „weiberschen Schul" sitzen alte Frauen, an der Tür des Bethamidrasch erwachsene Männer, und alles lauscht in sich versunken, diesen Melodien. In dieser Atmosphäre wenigstens zu atmen, ist ein Genuß für jene, die nicht selbst „lernen" können. Die Melodien sind nicht bestimmt, sie haben aber einen bestimmten Stil (nussach), der sich der Zeit und der Stimmung des einzelnen anpaßt. Die Jeschiwah. Aus der Jeschiwah sind viele Rabbiner hervorgegangen. Die Jeschiwah ist jedoch kein Rabbinerseminar. Sie ist von vielen Freigeistern (maskilim), Kaufleuten usw. besucht worden. Und so wenig wie sie darum etwa eine Hochschule für Aufklärung, Handeln usw. ist, so wenig ist sie eine Hochschule für Rabbiner. Die Jeschiwah ist eine Schule für jedermann. Jeder darf kommen und lernen. Die Hauptsache ist, daß man annimmt den „reach thora", einen Hauch von Jüdischkeit. Dazu ist die Jeschiwah geschaffen und darauf ist ihr Lehrplan eingestellt. Außer gewissen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der höheren Bewertung des Wissensumfanges (bekiuth) oder der Gründlichkeit und Vertiefung des Wissens (charifuth) ist die

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