Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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W i e 8 n e r, Die Wertung der Geschlechter. 95 Der Zuspruch: du bekommst einen Sohn, wirkte auf eine sich in Hoffnung befindende Frau stets beruhigend. Er wurde in der Regel sogar in der schweren Stunde von den bei der Geburt Beistand leistenden Frauen der sich vor Schmerzen Windenden zugerufen, um sie zu geduldigem Ausharren zu ermutigen1). Ein solcher Zuspruch erschien um so angezeigter, als die Frau, nach verbreiteter Anschauung, bei heftigeren Geburtswehen, aus dem hohen Grade derselben die Diagnose auf die Geburt einer Tochter zu stellen geneigt war'4). Schon in biblischer Zeit pflegte dem Vater die freudige Nachricht von der Geburt eines Knaben durch einen Boten übermittelt zu werden. Der Bote meldete: dir ist ein Sohn geboren worden3). Aus talmudischer Zeit hören wir, daß der Vater bei Erwartung der Geburt eines Kindes dem Überbringer der Botschaft von der erfolgten Geburt eine Belohnung auszusetzen pflegte, die er, je nachdem die Botschaft ausfallen werde, in verschiedener Höhe bemaß, bei Knaben in der Regel höher als bei Mädchen4). Überdies gab der Vater bei der Geburt eines Knaben seinem Dankgefühle durch einen Lobspruch Ausdruck: Gelobt seist du, Herr, der du gütig bist und Gutes erweisest5). Interessant ist folgender supponierter Rechtsfall und seine Entscheidung. Jemand verspricht dem Überbringer der Botschaft von der Geburt eines Sohnes zweihundert, von der Geburt einer Tochter hundert Minen. Nun erscheint der Bote mit der überraschenden Mitteilung, daß Zwillinge, und zwar ein Knabe und ein Mädchen, geboren wurden. Auf welchen Betrag hat der Überbringer der Nachricht Anspruch? Die Entscheidung R. Manas lautet: auf hundert Minen. Begründung: Die Mitgeburt einer Tochter hat die Freude über die Geburt eines Sohnes auf die Hälfte herabgestimmt6). Wie die Entscheidung nicht auf weibliche Nachkommen, sondern auf nSui nns HS*mn gedeutet wird. 1) Gen. r. 82, 8, vgl. I. Sam. 4, 20. 2) Nidda 31a. 3) Jeremia 20,15. 4) Jer. B. bathra IX, 2, Tosephta B. bathra IX, 5 410»°, vgl. B. bathra 141b oben. 5) Berachoth 59b. 6) S. 82 Anmerk. 1.