Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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94 Wies n er, Die Wertung der Geschlechter. an Wachstum und Ausbildung zunahm. Das Verlangen, hinter das Geheimnis zu kommen, wurde überdies bei mancher Frau aus dem Volke noch dadurch genährt, daß vielfach geglaubt wurde, es sei möglich, sich bei prominenten Persönlichkeiten, die mit der Gottheit in Verbindung stehen, darüber Bescheid zu holen. Es fehlte in der Tat nicht an Professionals, die als Wundermänner auftraten und die Leichtgläubigkeit des Volkes, welches ihnen divinatorische Begabung zuschrieb, auszunützen verstanden. Sie stellten zunächst der sie konsultierenden Frau die ihr erwünschte Geburt eines Knaben in Aussicht, sprachen aber bei den Nachbarn von einer zu erwartenden Tochter, so daß sie in jedem Falle recht behielten und ihre Reputation wahrten1). Die Rabbinen lehnten es ab, auf solche Fragen Auskunft zu erteilen. Nach ihrer Auffassung seien hier dem menschlichen Wissen Schranken gezogen, und jedes Bemühen, den Schleier dieses Geheimnisses zu lüften, wäre zwecklos. Zu den sieben Dingen, die der Allwissende sich allein vorbehalten hat und dem Menschen ewig verschlossen bleiben werden, gehören der Todestag, die Vorgänge im Herzen des Nebenmenschen und das Geschlecht des Kindes im Mutterleibe2). Nur einmal hören wir, daß R. Elieser einer Frau, die ihn um die Deutung eines sie beängstigenden Traumes anging, sagte: Du wirst einen Sohn bekommen. Offenbar war bei dem weisen Manne in diesem Falle das ethische Motiv vorherrschend, die aufgeregte Frau dadurch zu beruhigen, daß er ihren Traum mit etwas in Beziehung brachte, was ihr Interesse besonders in Anspruch zu nehmen schien3). Träume wurden übrigens, auch wenn sie sich unangenehm ankündigten, vorwiegend günstig ausgelegt4). 1) Tanch. (Wien) Wajikra S. 134, Tanch. B. Wajikra 10, Jalkut Jeremia § 309. 2) Gen. r. 65,12, Koh. r. zu 11,5, Mechiltha (Friedm.) Beschallach S. 51, Pesachim 54b. An den zwei letztgenannten Stellen ist jedenfalls auch ntp« hw mwj? zu lesen. S. Salome- Lurja z. St., vgl. auch Jalkut Toldoth und Jeremia § 297. 3) Jer. Maaser Scheni IV, Ende, Gen. r. 89,8, Echa r. Kap. 1, Jalkut Mikez. 4) Lebrecht, Lesarten u. Bemerkungen zum Talmud, Berlin 1864. — Damit wird auch verständlich, warum Berachoth 57 ä buv\r\ n«nn DiSm auf die Erwartung männlicher Nachkommen, rAuann n«nn dagegen