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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 90

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 90 (sequence 99)
Language
German
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90 Wiesner, Die Wertung der Geschlechter. dem Abraham bisher vorenthalten blieb und nunmehr sein häusliches Glück vervollständigte, den bereits vorhandenen Segen vermehrte, und das konnte nur eine Tochter sein. Es ist somit aus der heiligen Schrift bewiesen, daß auch eine Tochter für die Eltern einen Segen bilde. Wenn nach Ablieferung der Zehntabgaben das vorgeschriebene Gebet gesprochen wurde: Blicke herab von Deiner heiligen Stätte, vom Himmel, und segne Dein Volk Israel (Deuteron. 26,15), so galt der erflehte Segen nicht irdischen Gütern, sondern reichem Kindersegen, und zwar Söhnen und Töchtern1). Hanna, die Mutter Samuels, hat nicht ausschließlich um ein männliches Kind, sondern auch um weibliche Nachkommenschaft gebetet2). Wie ein Protest gegen die Ungerechtigkeit der Menschen, das männliche Geschlecht zu bevorzugen, klingen die Worte, welche die talmudischen Lehrer den klugen Töchtern Zelophchads in den Mund legen, als diese gegen ihre Ausschließung bei der Verteilung des gelobten Landes Einspruch erhoben. „Unmöglich," sagen sie, ,,kann Gott, wie der Mensch, ein Geschlecht vor dem anderen bevorzugen. Ein Mensch liebt Söhne mehr als Töchter, von Gott aber heißt es: Sein Erbarmen ist über alle seine Werke" (Ps. 145, 9)3). Nach einem alten Midrasch beginnt die Thora deshalb mit dem Buchstaben 2 2, weil es von allem Anfang an im Plane Gottes lag, den Bestand aller Lebewesen auf die Zweiteilung der Geschlechter zu begründen4). Ganz besonders wurde von mehreren Lehrern auf den Umstand hingewiesen, daß Töchter, die in der Regel früher als Söhne heiraten und Kinder bekommen, die Verwirklichung des jüdischen Ideals, eine zahlreiche Nachkommenschaft zu erhalten, in höherem Grade gewährleisten. Mit diesem Argumente suchte auch, wie bereits erwähnt5), der große R. Chi ja seinen jungen Freund seiner Verstimmung über die Geburt einer Tochter zu entreißen. Interessant gestaltete sich die Diskussion über dieses Thema 1) Maaser Scheni V, 13. 2) Midr. Samuel c. 2, Pesikta rabbathi (Friedmann) 180a. 3) Sifre (Fribdm.), Pinchas S. 49, Midr. Lekach Tob B. Pinchas. 4) Othioth d'R. Akiba. 5) S. 82 Anmerk. 1.

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