Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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86 W i e s n e r, Die Wertuog der Geschlechter. I, 42)1). Alle diese Schrifterklärungen widerspiegeln den Geist der Zeit und lassen uns die Freude und den Stolz erkennen, mit welchen der Besitz männlicher Kinder das Herz der Eltern erfüllte. Erschien solches Glück als eine auszeichnende Gunst des Himmels, so lag die Frage nahe, wodurch man sich derselben würdig erweisen, infolge welcher verdienstlichen Werke man dieses Glückes teilhaftig werden könne. In der Tat hören wir diese Frage des öftern aufwerfen und im Lehrhause diskutieren. „Was soll der Mensch tun, um männliche Kinder zu erhalten?" Die Volksseele, die aus dieser Frage sprach, heischte von den geistigen Führern Rat und Belehrung. Und die Lehrer, als wahre Volkserzieher, verstanden es wohl, dieses die Seele bewegende Verlangen nach männlichen Kindern der Förderung religiös-ethischer Zwecke dienstbar zu machen und daraus vor allem einen Antrieb zum moralisch-sittlichen Eheleben zu gewinnen. Als einst die alexandrinischen Juden dem gelegentlich unter ihnen weilenden gefeierten palästinensischen Lehrer R. Josua b. Chananja unter anderen auch obige Frage vorlegten, antwortete er, man führe eine ebenbürtige, sittsame Frau WJinn HttfK) als Lebensgefährtin heim und achte auf Selbstheiligung im Eheleben. Auf die Entgegnung, daß viele sich dieser Vorschrift gemäß verhielten, ohne daß ihr Wunsch in Erfüllung gegangen wäre, meinte er, Söhne sind nach Psalm 127,3 Gottes Besitztum, es bleibe in diesem Falle nichts übrig, als Gott in innigem Gebete um ein solches Geschenk anzuflehen3). Auch ein anderer Lehrer des dritten Jahrhunderts betont bei der Erörterung derselben Frage die Selbstheiligung im ehelichen Verkehre4). Noch ein zweitesmal hören wir R. Josua b. Chananja die- 1) Midr. Lekach-Tob zu Bamidbar. Buber z. St. macht darauf aufmerksam, daß der Verfasser des Sammelwerkes «n nsys, dessen Auffassung auch Baal haturim zur Thora wiedergibt, aus derselben Stelle das Gegenteil schließt, daß im Stamme Naftali vorwiegend weibliche Geburten vorkamen. 2) Vgl. Nidda 31b n \mnv S:>w idt. 3) Niddah 70b, 71a. 4) Schebuoth 18b.